Altweibersommer – Wenn der Herbst goldene Tage schenkt
Wenn im Spätsommer oder Frühherbst die Sonne noch einmal kräftig scheint, die Luft mild ist und feine Spinnweben durch die Luft tanzen, spricht man in Deutschland vom Altweibersommer. Dieses Phänomen fasziniert seit Jahrhunderten – meteorologisch wie sprachlich. Doch was steckt dahinter?
Woher kommt der Begriff „Altweibersommer“?
Der Ausdruck hat nichts mit „alten Frauen“ im abwertenden Sinne zu tun. Ursprünglich leitet sich das Wort „Weib“ aus dem Althochdeutschen wîp ab, das schlicht „Frau“ bedeutete. Im Zusammenhang mit dem Altweibersommer bezog man sich aber vor allem auf die Spinnweben, die in dieser Jahreszeit in der tief stehenden Sonne silbrig glänzen. Sie erinnerten die Menschen an graue Haare älterer Frauen. In Skandinavien kennt man ähnliche Begriffe: dort heißt er etwa „Brittsommar“, benannt nach dem Fest der heiligen Brigitta Anfang Oktober.
Typische Wetterphänomene im Altweibersommer
Der Altweibersommer zeigt sich mit einer Kombination aus klarer, trockener Luft, viel Sonnenschein und oft nächtlicher Abkühlung mit Nebel. Charakteristisch sind:
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Warme, sonnige Tage mit angenehmen Temperaturen.
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Kühle Nächte – häufig bildet sich Frühnebel in Flusstälern und Senken.
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Spinnweben in der Luft, getragen von kleinen Jungspinnen, die ihre Fäden als „Flugsegel“ nutzen.
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Sehr gute Fernsicht durch die trockene und saubere Luft.
Diese Mischung lässt Landschaften im goldenen Licht erstrahlen – der Inbegriff von Herbstidylle.
In welchen Monaten tritt der Altweibersommer auf?
Der Altweibersommer zeigt sich typischerweise zwischen Anfang September und Mitte Oktober. Die Wahrscheinlichkeit ist im September am größten, doch auch bis in den Oktober hinein kann es längere Schönwetterperioden geben. Spätere warme Phasen im Oktober oder November werden oft auch als „Goldener Oktober“ bezeichnet.
Welche Wetterlagen führen zum Altweibersommer?
Meteorologisch gesehen braucht es stabile Hochdrucklagen. Meist liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mittel- oder Osteuropa, das milde Luft bringt und gleichzeitig Regenwolken fernhält.
Typische Wetterkonstellationen sind:
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Osteuropahoch oder Mitteleuropahoch, das mehrere Tage bis Wochen bestehen bleibt.
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Warme Luftmassen aus Süd- oder Südwesten, die von Atlantiktiefs nicht verdrängt werden.
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Schwache Druckgegensätze, sodass sich kaum Wind bildet und die Nächte klar auskühlen.
So entstehen ruhige, oft windstille Herbsttage, die für den Altweibersommer charakteristisch sind.