Das Klima der Zugspitze

Auswertung Klima der Zugspitze: 125 Jahre anhand von DWD-Messreihen

Das Klima der Zugspitze

Quellen: DWD Tageswerte der Wetterstation Zugspitze, Zeitraum 1900 bis 2024 (Stations-ID 5792). Alle genannten Zahlen basieren ausschließlich auf diesen Messdaten.

Die Zugspitze auf 2962 Metern Höhe ist einer der extremsten und zugleich wertvollsten Klimastandorte Deutschlands. Während im Tal milde Sommer und gemäßigte Winter vorherrschen, zeigt der höchste deutsche Gipfel ein Klima, das häufig an Regionen weit nördlich des Polarkreises erinnert.

Schnee liegt über viele Monate hinweg, der Wind erreicht Orkanstärke und die Temperatur schwankt zwischen sommerlicher Milde und bitterer Kälte. Seit 1900 misst der Deutsche Wetterdienst hier täglich Temperatur, Niederschlag, Wind und Schneehöhe. Aus dieser langen Messreihe entsteht eines der eindrucksvollsten Klimaporträts Mitteleuropas.


Temperaturen auf der Zugspitze

Das Temperaturverhalten in 3000 Metern Höhe zeigt eine enorme Bandbreite, gleichzeitig aber auch Veränderungen über die Zeit. Der Sommer bleibt kurz und kühl, der Winter lang und frostbeständig.

Die extremsten Temperaturen

  • Höchste gemessene Temperatur: 17,9 Grad am 5. Juli 1957

  • Tiefste gemessene Temperatur: minus 35,6 Grad am 14. Februar 1940

Diese beiden Werte markieren die thermischen Grenzen der Station und zeigen sehr gut, wie direkt das Hochgebirgsklima auf Sonneneinstrahlung oder Ausstrahlung reagiert.

Die wärmsten Sommer

Für jeden Sommer wurden die täglichen Höchsttemperaturen der Monate Juni, Juli und August gemittelt. Dieser Durchschnitt gibt an, wie warm ein typischer Sommertag auf der Zugspitze wirklich war. Die Werte spiegeln also nicht einzelne Spitzen wider, sondern den gesamten Charakter des Sommers.

Die fünf wärmsten Sommer sind:

Sommer Mitteltemperatur
2003 8,7 Grad
2024 8,0 Grad
2015 7,9 Grad
2022 7,8 Grad
2019 7,7 Grad

Auf über 2900 Metern sind Sommertage mit acht Grad im Mittel bereits ausgesprochen mild. Dass die wärmsten Sommer alle in den letzten zwei Jahrzehnten liegen, zeigt klar, wie sehr sich das Sommerhalbjahr im Hochgebirge erwärmt hat. Die Werte bedeuten konkret: An vielen Tagen lagen die Höchsttemperaturen über dem Gefrierpunkt und erreichten regelmäßig fünf bis zehn Grad. Solche milden, stabilen Sommer waren vor 1980 auf der Zugspitze selten.

Die kältesten Winter

Auch für den Winter wurde ein Durchschnitt gebildet, und zwar aus den täglichen Tiefsttemperaturen der Monate Dezember, Januar und Februar. Dieser Wert beschreibt, wie kalt es nachts im Winter im Mittel wirklich war. Tiefe Durchschnitte deuten auf lange, stabile Frostperioden hin.

Die fünf strengsten Winter sind:

Winter Mitteltemperatur
1981 minus 16,3 Grad
2005 minus 16,1 Grad
1906 minus 15,8 Grad
1940 minus 15,7 Grad
1929 minus 15,6 Grad

Solche Winter bedeuten: Wochenlang lag die nächtliche Lufttemperatur im Bereich von minus 20 Grad oder darunter, und selbst tagsüber kam die Temperatur häufig nicht über minus 10 Grad hinaus. Die Winter der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind ähnlich kalt wie einzelne moderne Jahre, doch in der jüngeren Zeit zeigen sich weniger extrem tiefe Kältephasen.

Jahresmitteltemperatur auf der Zugspitze 1900–2024

Jahresmitteltemperaturen

Die Grafik zeigt den Verlauf der jährlichen Mitteltemperatur auf der Zugspitze. Die gelbe Linie bildet die Einzeljahre ab, die blaue Linie das 10-Jahres-Mittel und die gestrichelte Linie den langfristigen Trend. Über mehr als ein Jahrhundert lässt sich eine deutliche Erwärmung erkennen. Besonders seit den 1990er Jahren steigen die Mitteltemperaturen spürbar an. Der Trend spiegelt vor allem mildere Sommerhalbjahre und häufigere positive Tagesmaxima im Sommer wieder.


Niederschlag auf der Zugspitze

Durch den starken Nordweststau des Wettersteingebirges gehört die Zugspitze zu den niederschlagsreichsten Orten Deutschlands. Feuchte Luftmassen steigen an der steilen Wand auf und sorgen im Jahresverlauf für reichliche Niederschläge, zu einem großen Teil in Form von Schnee.

Die fünf nassesten Jahre

Jahr Niederschlag gesamt
1981 2724,4 mm
1937 2606,6 mm
1970 2593,0 mm
1995 2575,6 mm
2019 2559,2 mm

Die Staulagen bringen im Winter enorme Schneemengen und im Sommer kräftige Regenereignisse. Auch moderne Spitzenjahre zeigen, dass das Hochgebirge weiterhin sehr hohe Niederschlagsmengen erhält.


Wind und Sturm

Die Zugspitze ist allen Windrichtungen frei ausgesetzt. Besonders im Winter treten regelmäßig Orkanlagen auf. Die extremen Windspitzen verdeutlichen, wie rau die Bedingungen in dieser Höhe sein können.

Die stärksten gemessenen Böen auf der Zugspitze

Jahr m/s km/h
1985 93,0 m/s 334,8 km/h
1981 66,0 m/s 237,6 km/h
2002 64,8 m/s 233,3 km/h
1990 62,2 m/s 223,9 km/h
1983 62,0 m/s 223,2 km/h

 

26. Dezember 1999: Orkan Lothar

Am Tag des Orkans Lothar wurde auf der Zugspitze eine maximale Böe von 52,0 m/s gemessen, rund 187 km/h. Für die Gipfellage war dies ein kräftiger Sturm, im Vergleich zu anderen Jahren jedoch kein Rekord. Lothar wirkte im Tiefland deutlich zerstörerischer, während er auf der Zugspitze in einem Bereich lag, der regelmäßig überschritten wird.


Schnee auf der Zugspitze

Die Schneehöhenmessungen liefern eines der eindrucksvollsten Kapitel des Zugspitzklimas. Hier oben baut sich im Winter eine mächtige Schneedecke auf, deren Höhe in mehreren Jahrzehnten weit über sechs Meter hinausragt.

Jahresverlauf der Schneehöhen

Monat Mittelwert Maximum
Januar 203,6 cm 560 cm
Februar 253,9 cm 730 cm
März 289,9 cm 680 cm
April 314,1 cm 780 cm
Mai 283,9 cm 740 cm
Juni 207,3 cm 670 cm
Juli 108,6 cm 480 cm
August 35,6 cm 350 cm
September 28,4 cm 325 cm
Oktober 44,7 cm 395 cm
November 82,5 cm 460 cm
Dezember 140,8 cm 480 cm

Im April erreicht die Schneedecke regelmäßig ihre maximale Ausdehnung. Der Sommer sorgt nur kurzzeitig für einen deutlichen Abbau, und selbst im August gibt es in manchen Jahren noch Schneereste in beachtlicher Höhe.

Die schneereichsten Jahre

Jahr Maximale Schneehöhe
1980 780 cm
1958 750 cm
1965 740 cm
1948 730 cm
1967 730 cm

Jahre mit ganzjährig geschlossener Schneedecke

Mehrere Jahre weisen an keinem einzigen Tag eine Schneehöhe von 0 cm auf. Dazu zählen:

1955, 1965, 1968, 1970, 1972, 1974, 1975, 1976, 1977, 1978, 1979, 1980, 1981, 1982, 1984, 1989, 1993, 1999, 2000

Diese Phase, besonders zwischen 1970 und 1982, zeigt eine außergewöhnliche Schneestabilität.

Maximale jährliche Schneehöhe auf der Zugspitze 1900 - 2024

Jährliche Schneehöhe Zugspitze

Die Grafik zeigt die höchste gemessene Schneehöhe jedes Jahres. Die gelbe Linie steht für die Jahresmaxima, die blaue Linie für das 10-Jahres-Mittel und die gestrichelte Linie für die langfristige Entwicklung. Besonders auffällig ist der Anstieg der Schneehöhen ab den 1940er Jahren, häufig mit Werten von über 500 bis 700 cm.

Warum waren die Schneehöhen vor 1940 niedriger?

Vor 1940 wurden Schneehöhen im Hochgebirge oft unter schwierigen Bedingungen und weniger standardisiert gemessen. Windverfrachtung und ungeschützte Messpunkte führten regelmäßig zu zu niedrigen Werten. Ab den späten 1930er Jahren wurden Messmethoden vereinheitlicht und besser windgeschützt angewendet, so dass die Schneehöhen ab etwa 1940 realistischere Werte zeigen.


Die Auswirkungen des Klimawandels

Die lange Messreihe zeigt mehrere klar erkennbare Trends. Die Sommer haben sich deutlich erwärmt, was daran sichtbar wird, dass die fünf wärmsten Sommer alle aus den Jahren ab 2000 stammen. Der Winter bleibt weiterhin kalt, doch extreme Tiefstwerte wie minus 35 Grad werden seltener.

Bei den Schneehöhen zeigt sich, dass die winterlichen Mengen weiterhin hoch bleiben, jedoch die sommerliche Schneebedeckung abnimmt. Früher gab es viele Jahre mit geschlossener Schneedecke über das gesamte Jahr hinweg. Seit den 2000er Jahren sind solche Jahre deutlich seltener geworden.

Die Niederschläge bleiben im Hochgebirge hoch, aber die Verteilung wird variabler. Moderne Spitzenjahre wie 2019 zeigen, dass intensive Staulagen auch heute noch auftreten und durch die höhere atmosphärische Feuchte verstärkt werden können.

Die Zugspitze bleibt ein Ort der Extreme, doch das Klima verschiebt sich langsam, besonders im Sommerhalbjahr.

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Zusammenfassung

Die Zugspitze bleibt ein einzigartiger Klimastandort mit einem extremen und zugleich sensiblen Hochgebirgsklima. Die Temperaturen reichen von 17,9 Grad bis minus 35,6 Grad, die Schneehöhen erreichen bis zu 780 cm, und Windgeschwindigkeiten von mehr als 330 km/h sind möglich.

Die Station zeigt ein Klima, das sich verändert, ohne seine grundlegenden Eigenschaften zu verlieren. Erwärmte Sommer, variable Niederschläge und weniger stabile Schneedecken im Sommerhalbjahr sind Zeichen dieses Wandels. Das Hochgebirgsklima der Zugspitze bleibt rau, eindrucksvoll und ein wichtiger Indikator für die klimatischen Entwicklungen im Alpenraum.

Aktuelle Vorhersage für die Zugspitze
Die jeweils neuesten Vorhersagen zu Temperatur, Wind, Regen, Schnee und Lufteuchte findest du jederzeit hier:
👉 https://www.blick-aufs-wetter.com/wetter-heute/Zugspitze/2760454

 

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