Der Polarwirbel: Kollaps oder Hype? – Was wirklich dahintersteckt und was Deutschland, Europa und Nordamerika erwartet
Der Begriff Polarwirbel klingt nach einem geheimnisvollen, eisigen Supersturm, der nur darauf wartet, unsere Wetterkarten durcheinanderzuwirbeln. In den vergangenen Tagen ist er wieder in aller Munde: Einige Medien berichten von einem bevorstehenden „Kollaps“ des Polarwirbels – und der Sorge vor einem plötzlichen Kaltlufteinbruch. Doch was ist wirklich dran? Wir werfen einen genaueren Blick auf die wissenschaftlichen Hintergründe und klären, was das für Deutschland, Europa und Nordamerika bedeuten könnte.
Was ist der Polarwirbel überhaupt?
Der Polarwirbel ist ein riesiges, stratosphärisches Windsystem, das in etwa 20 bis 50 Kilometern Höhe rund um den Nordpol rotiert. Im Winter wird er durch die Temperaturgegensätze zwischen dem eisigen Polargebiet und den milderen mittleren Breiten besonders stark. Wenn er stabil und stark ist, bleibt die Kaltluft gut über der Arktis eingeschlossen.
Wann „bricht“ der Polarwirbel zusammen?
Von einem Zusammenbruch oder Kollaps des Polarwirbels sprechen Meteorologen, wenn es zu einem sogenannten Sudden Stratospheric Warming (SSW) kommt. Dabei erwärmt sich die Stratosphäre innerhalb weniger Tage um bis zu 50 Grad – in dieser Höhe, wohlgemerkt! Das führt dazu, dass der Polarwirbel schwächer wird, sich verlagert oder sogar in mehrere Teile zerbricht.
Passiert das gerade?
Aktuell (Stand 19.03.2025) zeigen die Daten aus den Modellen tatsächlich eine leichte Schwächung des Polarwirbels. Es gab auch Anzeichen für eine beginnende Stratosphärenerwärmung. Von einem spektakulären, vollständigen Zusammenbruch kann jedoch keine Rede sein. Stattdessen erleben wir eher einen „angekratzten“ Polarwirbel, der zwar an Stabilität verliert, aber noch nicht auseinanderfällt.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Ein instabiler Polarwirbel kann Kaltlufteinbrüche begünstigen – muss es aber nicht zwangsläufig. Die Auswirkungen hängen stark davon ab, wohin sich der Wirbel verschiebt und wie sich die Druckgebilde in der Troposphäre (also am Boden) verhalten. Sollte sich der Wirbel in Richtung Sibirien verlagern, könnte sich kontinentale Kaltluft auf den Weg nach Europa machen. Die Wahrscheinlichkeit für späte Kälterückfälle steigt, doch es ist kein Garant für wochenlangen Dauerfrost.