Der Föhn gehört zu den markantesten Wetterphänomenen an den Alpen
Der Föhn ist eines der eindrucksvollsten Wetterphänomene, die man in Mitteleuropa erleben kann. Kaum ein anderes Ereignis verändert Temperatur, Sicht und Windverhältnisse innerhalb so kurzer Zeit. Besonders das nördliche Alpenvorland erlebt diese Wetterlagen immer wieder mit erstaunlicher Intensität.
Was ist Föhn?
Unter Föhn versteht man einen warmen, trockenen Fallwind, der auf der Nordseite der Alpen einsetzt, wenn Luftmassen das Gebirge überqueren. Auf der Alpensüdseite wird die anströmende Luft gehoben, kühlt ab und verliert Feuchtigkeit in Form von Niederschlag. Sobald sie den Alpenhauptkamm überschreitet und auf der Nordseite absinkt, erwärmt sie sich durch Kompression schnell und erreicht das Alpenvorland als außergewöhnlich milder und oft stürmischer Wind. Dieser Prozess ist der Kern des sogenannten Föhneffekts.
Wie entsteht der Föhn im nördlichen Alpenvorland?
Eine Föhnlage entsteht fast immer durch ein deutliches Druckgefälle zwischen Alpen-Nordseite und Südseite. Klassisch liegt hoher Luftdruck über Norditalien, während nördlich der Alpen ein Tiefdruckgebiet für starken Südstau sorgt. Die feuchte Luft steigt am Südrand der Alpen auf, regnet oder schneit sich aus und strömt auf der Nordseite als trockene, deutlich wärmere Luft talwärts. In den Tälern des Alpenvorlands kann diese Luftmasse regelrecht herabfallen, was das typische Föhngefühl hervorruft: warme Böen, trockene Luft und enorm klare Sicht.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die föhnige Luft überströmt die Alpen nicht gleichmäßig, sondern kanalisiert sich durch bestimmte Täler und Pässe, wodurch sich lokal besonders starke Föhnstürme entwickeln. Orte wie das Inntal, das Werdenfelser Land oder das Oberallgäu gehören regelmäßig zu den Brennpunkten solcher Lagen.
Wie weit reicht der Föhn nach Norden?
Die föhnige Luft stoppt nicht an den ersten Hügelketten. Je nach Stärke der Südanströmung kann der Föhneinfluss weit ins Alpenvorland hineinreichen. Typischerweise sind 30 bis 80 Kilometer realistisch, doch bei intensiven Südlagen trägt der Föhn die Wärme deutlich weiter nach Norden. So können föhnige Strukturen noch in München auftreten, teilweise sogar bis in Regionen um Ingolstadt oder Regensburg. Überall dort, wo die föhnige Luft den Boden erreicht, zeigt sich ein ähnliches Muster: sprunghaft steigende Temperaturen, starke Böen und sehr trockene Luft.
Wann tritt Föhn auf?
Die klassischen Föhnmonate sind Herbst und Frühjahr, wenn kräftige Südströmungen relativ häufig auftreten. Der Winter liefert allerdings oft die eindrucksvollsten Beispiele, da die Temperaturgegensätze besonders stark ausfallen. An manchen Tagen steigen die Werte in kurzer Zeit von knapp über null auf fast 20 Grad. Im Sommer tritt Föhn ebenfalls auf, jedoch seltener, meist im Umfeld von Italientiefs oder vor Gewitterlagen, wenn sich ein starker Druckgradient aufbaut.
Wie warm kann es im Winter werden?
Gerade im Winter beeindruckt der Föhn mit seinen Temperaturspitzen. Während im Alpenraum vielerorts Frost herrscht, können auf der Nordseite Temperaturen von 15 bis 20 Grad auftreten. Lokal wurden sogar Werte über 20 Grad gemessen. Solche Tage wirken wie ein kurzer Frühlingseinbruch mitten im Januar oder Februar. Besonders im Alpenvorland ist der Unterschied zwischen Föhn und Nicht-Föhn eindrucksvoll: Nur wenige Kilometer können zwischen zweistelligen Plusgraden und dichtem Nebel liegen.
Weitere Auswirkungen des Föhns
Föhnlagen bringen typische Begleiterscheinungen mit sich, die über den Temperaturanstieg hinausgehen:
- extrem klare Sicht, das sogenannte Föhnfenster
- sehr trockene Luft mit niedriger Luftfeuchtigkeit
- plötzliche Windböen, die sich in Tälern zu ausgewachsenen Föhnstürmen verstärken können
- ausgeprägte Temperatursprünge innerhalb weniger Stunden
Die atmosphärische Transparenz während einer Föhnlage ist oft spektakulär. Selbst entfernte Gipfel erscheinen gestochen scharf, weil trockene Luft weit weniger Licht streut als feuchte.
Föhnwolken und Lenticularis
Föhnlagen zeigen sich nicht nur am Boden, sondern oft auch spektakulär am Himmel. Besonders typisch sind die sogenannten Föhnwolken, fachsprachlich Altocumulus lenticularis. Diese linsenförmigen Wolken entstehen, wenn starke Südströmungen in der Höhe über den Alpen Wellenbewegungen auslösen. In diesen Wellen gibt es Zonen, in denen die Luft aufsteigt und abkühlt. Genau dort kondensiert Feuchtigkeit zu wolkenartigen Strukturen, während sie in den angrenzenden Abwärtsbereichen wieder verdampft. Dadurch entstehen stationäre Wolken, die wie große, gestapelte Linsen wirken und häufig mehrere Etagen bilden.
Lenticularis-Wolken stehen scheinbar still, obwohl der Wind in der Höhe oft Sturmstärke erreicht. Ihre scharf gezeichneten Formen gelten als ein klassisches Anzeichen für eine ausgeprägte Föhnlage. Sie zeigen die Dynamik des Luftstroms und die enorme Energie, die mit starken Südwinden über die Alpen transportiert wird. Bei markanten Südlagen sind Lenticularis-Wolken vom Bodensee bis in den Raum München zu sehen und verleihen dem Himmel eine eindrucksvolle, fast dramatische Anmutung.