Rückblick: Früher Wintereinbruch im September 2024 in den Alpen
Der September 2024 hat in den Alpen eindrucksvoll gezeigt, wie rasch der Sommer in den Bergen enden kann. Bereits zur Monatsmitte brachte eine markante Vb-Wetterlage nicht nur Starkregen und Hochwasser im Alpenvorland, sondern auch außergewöhnlich viel Schnee bis in tiefe Lagen. Wir werfen einen Blick zurück auf dieses besondere Wetterereignis.
11.–12. September 2024: Kaltfront mit Starkniederschlägen
Am 11. und 12. September erreichte polare Kaltluft die Nord- und Ostalpen. Eingelagert in kräftige Tiefdruckgebiete (Tief „Boris/Anett“) kam es zu anhaltendem Niederschlag. Während im Alpenvorland heftiger Regen fiel und für Überflutungen sorgte, sank die Schneefallgrenze auf 800 bis 500 Meter. In manchen Tälern Tirols, Salzburgs und Bayerns rieselten die ersten Flocken des Herbstes – deutlich früher als üblich.
13.–14. September 2024: Massive Schneefälle in den Hochlagen
Zwischen dem 13. und 14. September intensivierten sich die Schneefälle. In den Berchtesgadener Alpen, am Hochkönig und am Dachstein fielen binnen 48 Stunden bis zu 100 Zentimeter Neuschnee. Auch in der Schweiz wurden am Gotthard und im Wallis Neuschneemengen von 40 bis 70 Zentimetern gemessen. Auf den Gletschern, etwa am Stubai oder am Pitztal, türmten sich die Schneemassen bereits über einen halben Meter hoch.
15. September 2024: Lawinengefahr und Schäden
Der frühe Wintereinbruch hatte auch seine Schattenseiten. In den Berchtesgadener Alpen löste sich am 15. September eine Nassschneelawine und beschädigte die Toni-Lenz-Hütte am Untersberg. Der Lawinenwarndienst Bayern sprach von „außergewöhnlichen Bedingungen für diese Jahreszeit“. Auf vielen Pässen und Höhenstraßen musste der Verkehr eingeschränkt oder komplett gesperrt werden.
16.–18. September 2024: Schneedecke bleibt bestehen
Bemerkenswert war, dass sich die Schneedecke in höheren Lagen über mehrere Tage hielt. Selbst auf 1.000 Metern Höhe lagen vielerorts noch 20 bis 30 Zentimeter Schnee. Auf der Zugspitze wuchs die Schneedecke auf rund 150 Zentimeter an – ein Spitzenwert für die erste Septemberhälfte. Viele Skigebiete nutzten die Gelegenheit, ihre Gletscherpisten früher als geplant zu präparieren.
Meteorologische Einordnung
Ein Wintereinbruch dieser Dimension bereits Mitte September ist selten. Zwar sind erste Flocken auf 2.000 Metern Höhe nicht ungewöhnlich, doch Mengen von über einem Meter Neuschnee in nur drei Tagen kommen höchstens alle paar Jahrzehnte vor. Verstärkt wurde die Situation durch die kräftige Vb-Lage, die gleichzeitig enorme Regenmengen ins Alpenvorland brachte. So kam es neben dem Schnee auch zu den schweren Hochwassern in Süddeutschland und Österreich.