Nach einem bereits sehr warmen Samstag zeichnet sich für die Mitte der kommenden Woche ein weiterer Temperaturhöhepunkt ab. Im Mittelpunkt steht dabei erneut der Südwesten Deutschlands. Von einer flächendeckenden extremen Hitzewelle kann nach dem derzeitigen Stand jedoch keine Rede sein: Zwischen dem Südwesten und dem Norden bleiben die Luftmassen deutlich unterschiedlich temperiert.
Zur Wochenmitte könnte die Wetterlage außerdem etwas unbeständiger werden. Mit der zunehmenden Wärme und einer allmählich feuchteren Luftmasse steigt regional die Gefahr von Schauern und Gewittern. Die Niederschläge dürften jedoch sehr ungleichmäßig verteilt bleiben und die bestehende Trockenheit vielerorts kaum nachhaltig lindern.
Bereits am Samstag große Temperaturunterschiede
Am Samstag, 11. Juli 2026, liegt Deutschland am Rand eines kräftigen Hochdruckgebietes. Mit einer nördlichen bis nordöstlichen Strömung gelangt in den Norden und Osten vergleichsweise gemäßigte und trockene Luft. Gleichzeitig hält sich über dem Südwesten eine wesentlich wärmere Luftmasse.
In ungefähr 1.500 Metern Höhe werden am Nachmittag im Norden und Nordosten vielfach nur 10 bis 14 Grad berechnet. Über dem Südwesten liegen die Werte dagegen bei etwa 20 bis 23 Grad, unmittelbar südwestlich von Deutschland teilweise noch darüber.
Damit beträgt der Unterschied zwischen dem äußersten Südwesten und Teilen Norddeutschlands bereits rund 10 Kelvin, regional sogar etwas mehr. Diese Differenz macht sich auch bei den Höchsttemperaturen am Boden bemerkbar.
Während es im Norden und an den Küsten vergleichsweise angenehm bleibt, werden im Südwesten erneut verbreitet mehr als 30 Grad erwartet. Lokal sind dort etwa 33 bis 35 Grad möglich.
Warum wir auf die Temperatur in 850 hPa schauen
Die Temperatur in 850 hPa beschreibt die Luftmasse in ungefähr 1.400 bis 1.600 Metern Höhe. Sie eignet sich besonders gut, um wärmere und kühlere Luftmassen miteinander zu vergleichen, da sie deutlich weniger von den unmittelbaren Einflüssen des Erdbodens geprägt ist.
Sie ist allerdings keine direkte Vorhersage der Temperatur in zwei Metern Höhe. Wie warm es am Boden tatsächlich wird, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
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Sonnenscheindauer und Bewölkung
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Bodenfeuchtigkeit und Trockenheit
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Windrichtung und Windstärke
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Luftfeuchtigkeit
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Höhenlage und örtliche Geländeeinflüsse
Eine Temperatur von 22 Grad in 850 hPa bedeutet daher nicht automatisch, dass am Boden überall derselbe Höchstwert erreicht wird. Bei ungehinderter Sonneneinstrahlung, trockenen Böden und einer guten Durchmischung der Luft können daraus jedoch sehr hohe Tageswerte entstehen.
Warme Luft breitet sich zur Wochenmitte erneut aus
Nach einer vorübergehenden leichten Abschwächung deutet sich ab Mittwoch eine erneute Verstärkung der Wärme an. Besonders über Frankreich, der Schweiz, den Benelux-Staaten und dem Südwesten Deutschlands wird eine sehr warme Luftmasse nach Norden geführt.
Das amerikanische GFS-Modell berechnet am Mittwochnachmittag über dem Südwesten Deutschlands in 850 hPa verbreitet etwa 20 bis 24 Grad. Im südlichen Oberrheingraben und in Richtung Schweiz werden teilweise noch höhere Werte simuliert.
Am Donnerstag könnte sich die sehr warme Luft weiter nach Norden und Osten ausbreiten. Dann wären auch über Westdeutschland und Teilen der Mitte Werte von 18 bis 22 Grad in 850 hPa möglich. Richtung Nord- und Ostsee bleibt die Luftmasse voraussichtlich deutlich gemäßigter.
Am Boden wären unter längeren sonnigen Abschnitten im Südwesten erneut 32 bis 36 Grad denkbar. Ob örtlich noch etwas höhere Werte erreicht werden, hängt von der genauen Strömung, möglichen Wolkenfeldern und der Entwicklung der Bodenfeuchtigkeit ab.
GFS und ICON zeigen dieselbe Grundtendenz
Sowohl das amerikanische GFS-Modell als auch das deutsche ICON-Modell erkennen für Donnerstag die Zufuhr sehr warmer Luft nach Mitteleuropa. Beide Modelle legen den Schwerpunkt der höchsten 850-hPa-Temperaturen über Frankreich, den Alpenraum sowie den Westen und Südwesten Deutschlands.
Bei der genauen Ausdehnung der Wärme gibt es allerdings noch Unterschiede. ICON lässt die sehr warme Luft teilweise etwas weiter nach Norden vorankommen und berechnet über Westdeutschland stellenweise höhere Werte. GFS zeigt dagegen einen etwas stärkeren Temperaturgradienten zwischen dem Südwesten und dem Norden beziehungsweise Nordosten.
Solche Abweichungen sind bei einer Vorhersage über mehrere Tage vollkommen normal. Entscheidend ist zunächst die gemeinsame Grundaussage der Modelle: Der Südwesten gerät zur Wochenmitte erneut in den Bereich sehr warmer bis heißer Luft.
Keine einheitliche Hitze in ganz Deutschland
Auch während des möglichen Hitzehöhepunktes bleibt Deutschland voraussichtlich meteorologisch geteilt. Im Südwesten und Westen ist hochsommerliche Hitze möglich, während die Temperaturen im Norden und Nordosten deutlich niedriger bleiben können.
In 850 hPa liegen zwischen dem Südwesten und dem Norden weiterhin Unterschiede von ungefähr 8 bis 12 Kelvin. Deshalb wäre es irreführend, pauschal von extremer Hitze in ganz Deutschland zu sprechen.
Für die Einordnung der Wetterlage bleibt die jeweilige Region entscheidend: Was am Oberrhein ein heißer Tag mit deutlich mehr als 30 Grad werden kann, könnte an der Ostsee bei auflandigem Wind ein vergleichsweise angenehmer Sommertag bleiben.
Zur Wochenmitte steigt regional die Gewittergefahr
Mit der Zufuhr der sehr warmen Luft könnte zur Wochenmitte auch die Atmosphäre allmählich instabiler werden. Vor allem dort, wo feuchtere Luft auf die aufgeheizte Luftmasse trifft oder kleinere Tiefdruckeinflüsse für zusätzlichen Auftrieb sorgen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Schauer und Gewitter.
Nach dem derzeitigen Stand dürfte die Gewittergefahr zunächst vor allem den Westen, Südwesten und Teile der Mitte betreffen. Die genaue räumliche Verteilung lässt sich mehrere Tage im Voraus allerdings noch nicht zuverlässig festlegen.
Bei einzelnen kräftigeren Gewittern sind lokal folgende Begleiterscheinungen möglich:
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Starkregen innerhalb kurzer Zeit
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stürmische Böen
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kleinkörniger Hagel
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größere Temperaturunterschiede auf engem Raum
Gerade bei ausgetrockneten Böden kann kräftiger Regen jedoch nur schlecht versickern. Ein Teil des Wassers fließt dann oberflächlich ab, während tiefere Bodenschichten kaum erreicht werden.
Gewitter beenden die Trockenheit nicht automatisch
Auch wenn einzelne Gewitter örtlich größere Regenmengen bringen können, bedeutet dies noch keine nachhaltige Entspannung der Trockenheit. Sommerliche Gewitter treffen häufig nur eng begrenzte Gebiete. Während an einem Ort innerhalb kurzer Zeit viel Regen fällt, kann es wenige Kilometer entfernt nahezu trocken bleiben.
Für eine nachhaltige Verbesserung wären verbreitete und länger anhaltende Niederschläge notwendig. Solche flächigen Regenfälle sind nach dem derzeitigen Stand jedoch nicht erkennbar.
Die mögliche Gewitterentwicklung kann die Trockenheit daher lokal und vorübergehend abschwächen. In vielen Regionen dürfte das Niederschlagsdefizit aber bestehen bleiben oder sich sogar weiter vergrößern.
Trockenheit lässt Waldbrandgefahr weiter steigen
Neben den hohen Temperaturen rückt die anhaltende Trockenheit zunehmend in den Vordergrund. Vor allem in Regionen, in denen in den vergangenen Tagen kaum Niederschlag gefallen ist, trocknen Böden, Wiesen und die obere Streuschicht in den Wäldern weiter aus.
Lange sonnige Abschnitte, niedrige Luftfeuchtigkeit und zeitweise auffrischender Wind können die Austrocknung zusätzlich beschleunigen. Damit steigt auch die Waldbrandgefahr weiter an. Besonders betroffen können trockene Regionen im Südwesten, Westen und in Teilen der Mitte sein.
Selbst dort, wo ein Gewitter niedergeht, kann die Entspannung nur von kurzer Dauer sein. Fallen lediglich wenige Liter Regen oder bleibt der Niederschlag sehr lokal begrenzt, trocknet die oberste Boden- und Streuschicht bei hohen Temperaturen rasch wieder ab.
Schon kleine Zündquellen können unter solchen Bedingungen Brände auslösen. Offenes Feuer, weggeworfene Zigaretten und das Abstellen von Fahrzeugen auf trockenem Gras sollten unbedingt vermieden werden.
Die aktuelle Entwicklung der Waldbrandgefahr kann auf der Übersichtskarte von Blick aufs Wetter verfolgt werden: