Milde Nachmittage, kalte Morgen: Warum die Temperaturen jetzt stark schwanken, wo Nebel entsteht und wann erster Bodenfrost möglich ist.
Dienstag, 22. September 2026
Kalte Nächte, Nebel und Bodenfrost
Tagsüber kann die Sonne Ende September noch erstaunlich viel Wärme bringen. Doch sobald sie untergeht, verändert sich das Bild inzwischen schnell. Die Temperaturen sinken in klaren Nächten kräftig ab, in einigen Regionen werden am frühen Morgen nur noch wenige Grad über dem Gefrierpunkt erreicht. Gleichzeitig beginnt die klassische Zeit für Frühnebel, Tau und örtlich ersten Bodenfrost.
Das ist kein Widerspruch zu milden oder sogar warmen Nachmittagen. Gerade ruhige Hochdrucklagen können im Frühherbst große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hervorbringen. Die aktuellen Vorhersagen von Blick aufs Wetter zeigen diesen Effekt in den kommenden Tagen besonders deutlich.
Die ICON-D2-Karte der Tiefsttemperatur ist für Mittwoch, 23. September 2026, 06:00 Uhr MESZ gültig. Sie zeigt ausgeprägte regionale Unterschiede und besonders niedrige Werte im Süden. Dargestellt sind Modellwerte in zwei Metern Höhe, keine Messungen und keine direkte Bodenfrostprognose. Weitere ICON-D2-Temperaturkarten.
Warum werden die Nächte plötzlich so kalt?
Noch vor wenigen Wochen konnten selbst klare Nächte vergleichsweise mild bleiben. Ende September hat sich die Energiebilanz jedoch deutlich verändert. Die Sonne steht wesentlich tiefer über dem Horizont als im Hochsommer und die Tage sind deutlich kürzer geworden. Rund um die Tagundnachtgleiche dauert die Nacht inzwischen wieder ungefähr zwölf Stunden. Damit bleibt dem Boden wesentlich mehr Zeit, die tagsüber gespeicherte Wärme wieder abzugeben.
Entscheidend ist dabei die sogenannte nächtliche Ausstrahlung. Die Erdoberfläche gibt ständig langwellige Wärmestrahlung ab. Liegt eine geschlossene Wolkendecke über einer Region, wird ein Teil dieser Strahlung zurückgehalten. Wolken wirken deshalb nachts vereinfacht gesagt wie eine Decke.
Unter klarem Himmel fehlt dieser Effekt. Wiesen, Dächer, Böden und Wälder verlieren unter diesen Bedingungen besonders wirksam Wärme. Die unmittelbar darüber liegende Luft kühlt ebenfalls ab. Ist gleichzeitig der Wind schwach, wird kaum mildere Luft aus höheren Schichten nach unten gemischt. Die bodennahe Luft kann dadurch von Stunde zu Stunde kälter werden.
Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in sogenannten Strahlungsnächten: wenig Wolken, schwacher Wind und trockene oder relativ kühle Luft bieten nahezu ideale Voraussetzungen für starke nächtliche Abkühlung.
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Vom warmen Nachmittag zum kalten Morgen
Wie groß der Unterschied innerhalb weniger Stunden werden kann, zeigen auch die aktuellen Temperaturprognosen. In vielen Regionen steigen die Werte tagsüber trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit noch auf angenehme 18 bis über 20 Grad. Nach Sonnenuntergang beginnt dann aber eine ganz andere Wetterphase.
Für Oberstdorf erwartet Blick aufs Wetter am Mittwoch beispielsweise rund 19 Grad am Tag, am Morgen dagegen nur etwa 3 Grad. Am Freitag könnte die Temperatur dort zeitweise sogar bis nahe 1 Grad sinken. In Nürnberg werden für Mittwoch etwa 19 Grad am Tag und rund 5 Grad in der Nacht beziehungsweise am frühen Morgen berechnet.
Deutlich milder bleiben die Nächte dagegen beispielsweise in Köln. Dort stehen am Mittwoch rund 20 Grad am Tag etwa 10 Grad in der Nacht gegenüber. Auch in den folgenden Nächten bleibt es dort zunächst deutlich milder als in Süddeutschland.
Die genannten Ortswerte stammen aus der aufbereiteten Ortsvorhersage, Stand 22. September 2026, 11:00 Uhr. Die eingebundenen Karten zeigen dagegen einen einzelnen ICON-D2-Lauf. Deshalb können die Kartenwerte von den Ortsprognosen abweichen; besonders die morgendlichen Tiefstwerte werden in diesem Lauf teils deutlich niedriger berechnet.
Dieser Vergleich zeigt, wie unterschiedlich Herbstnächte innerhalb Deutschlands ausfallen können. Nicht nur die großräumige Wetterlage entscheidet über die Temperatur, sondern auch Gelände, Höhenlage, Bebauung und regionale Luftströmungen.
Warum Oberstdorf besonders stark auskühlen kann
Oberstdorf ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb Täler nachts teilweise erheblich kälter werden als höher gelegene Hänge oder dicht bebaute Städte. Kalte Luft besitzt eine höhere Dichte als warme Luft und fließt in ruhigen Nächten hangabwärts. In Tälern, Mulden und Senken kann sie sich sammeln.
Es entsteht ein Kaltluftsee. Während es einige hundert Meter oberhalb eines Tales durchaus mehrere Grad wärmer sein kann, sinkt die Temperatur am Talboden weiter ab. Solche Unterschiede sind bei klaren und windschwachen Wetterlagen besonders ausgeprägt.
Die Höhe Oberstdorfs von rund 820 Metern verstärkt das grundsätzlich kühlere Temperaturniveau zusätzlich. Trotzdem ist nicht allein die Höhenlage entscheidend. Auch tiefer gelegene Mulden können bei idealen Strahlungsbedingungen ausgesprochen kalt werden.
Nürnberg liegt mit etwa 300 Metern deutlich niedriger, besitzt aber gegenüber Westdeutschland einen stärker kontinental geprägten Temperaturgang. Köln liegt dagegen nur knapp 60 Meter über dem Meeresspiegel und wird zusätzlich von dichter Bebauung, dem Rhein und insgesamt milderen westlichen Luftströmungen beeinflusst.
Städte bleiben nachts häufig deutlich wärmer
Ein weiterer Faktor ist die Bebauung. Asphalt, Beton und Gebäude nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Gleichzeitig wird der Luftaustausch durch Häuser gebremst. Dadurch entsteht der bekannte städtische Wärmeinseleffekt.
Außerhalb großer Städte können Wiesenflächen bereits stark auskühlen, während es wenige Kilometer weiter im dicht bebauten Zentrum noch mehrere Grad wärmer ist. Deshalb sagt eine Temperaturangabe für eine Region nicht automatisch aus, wie kalt es an jedem einzelnen Standort wird.
Gerade Autofahrer, Gärtner und Landwirte kennen diese Unterschiede: In einer windgeschützten Senke kann sich bereits Reif bilden, während ein nahe gelegener Innenstadtstandort noch deutlich positive Temperaturen meldet.
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Nebel gehört jetzt wieder zum Morgen
Die stärkere nächtliche Abkühlung bringt eine weitere typische Begleiterscheinung des Herbstes zurück: Nebel und Hochnebel.
Sinkt die Lufttemperatur bis zum sogenannten Taupunkt, ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt. Bei weiterer Abkühlung kann Wasserdampf kondensieren; winzige Wassertröpfchen bilden sich. Auf ausreichend kalten Oberflächen kann sich Tau absetzen, in der Luft können die Tröpfchen Nebel bilden.
Besonders günstig sind dafür klare und windschwache Nächte mit ausreichend Feuchtigkeit in Bodennähe. Flussniederungen, feuchte Wiesen, Täler und Senken gehören deshalb zu den klassischen Nebelregionen. Nach einer feuchten Nacht oder nach vorausgegangenem Regen steigt die Nebelwahrscheinlichkeit zusätzlich.
Der dichteste Nebel tritt häufig gegen Ende der Nacht und rund um den Sonnenaufgang auf, denn zu diesem Zeitpunkt wird meist das Temperaturminimum erreicht. Erst mit zunehmender Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Boden wieder und viele Nebelfelder lösen sich auf.
Das kann morgens allerdings dauern. Ende September steht die Sonne deutlich tiefer als noch im August. Besonders in Tälern oder schattigen Regionen kann sich Nebel deshalb zunehmend hartnäckig halten.
Bodenfrost ist früher möglich als Luftfrost
Bei Tiefsttemperaturen von zwei, drei oder vier Grad stellt sich schnell die Frage: Kann es trotzdem schon frieren?
Ja. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Luftfrost und Bodenfrost. Von Bodenfrost spricht man in der Wettervorhersage, wenn die Lufttemperatur fünf Zentimeter über dem Boden unter 0 Grad sinkt. Das bedeutet noch nicht, dass der Erdboden durchgefroren ist.
Die offizielle Lufttemperatur wird meteorologisch in etwa zwei Metern Höhe gemessen. Sinkt sie dort unter 0 Grad, spricht man von Luftfrost. Direkt über einer Wiese kann die Temperatur während einer klaren Strahlungsnacht jedoch deutlich tiefer liegen.
Die Grasoberfläche strahlt besonders effektiv Wärme ab. Deshalb kann die Temperatur wenige Zentimeter über dem Boden bereits unter den Gefrierpunkt fallen, während das Thermometer in zwei Metern Höhe beispielsweise noch 2 oder 3 Grad zeigt.
Erster Bodenfrost ist deshalb in geschützten und ungünstigen Lagen bereits möglich, ohne dass an einer Wetterstation Luftfrost in zwei Metern Höhe gemessen wird. Besonders betroffen sind Senken, Täler und offene Wiesenflächen.
Empfindliche Pflanzen können dort bereits erste Frostschäden bekommen. Auf Autoscheiben oder Gras kann sich morgens Reif bilden.
Ist Frost Ende September ungewöhnlich?
Erste frostige Stellen Ende September sind in Deutschland grundsätzlich nichts Außergewöhnliches. Besonders in höheren Lagen, im Alpenraum, in den Mittelgebirgen und in ausgeprägten Kaltluftsenken kann Bodenfrost bereits zu dieser Jahreszeit auftreten.
Anders sähe es bei verbreitetem Luftfrost in größeren Tieflandregionen aus. Das wäre Ende September deutlich auffälliger. Davon kann bei der derzeitigen Wetterentwicklung jedoch nicht allgemein gesprochen werden.
Es handelt sich vielmehr um ein typisches Muster des frühen Herbstes: Die Tage können noch angenehm warm sein, gleichzeitig werden die Nächte bereits lang genug, damit sich bei klarem Himmel ausgeprägte Kaltluftpolster bilden.
Am Mittwoch um 14:00 Uhr MESZ berechnet derselbe ICON-D2-Lauf wieder deutlich höhere Temperaturen, im Südwesten örtlich über 20 Grad. Die Momentaufnahme verdeutlicht die Erwärmung bis zum Nachmittag und zeigt keine Tageshöchstwerte. Aktuelle ICON-D2-Karten ansehen.
Große Temperaturunterschiede sind typisch für ruhiges Herbstwetter
Gerade dieser starke Tagesgang kann in den kommenden Wochen immer wieder auftreten. Morgens sind Jacke, Nebel und vielleicht sogar Reif ein Thema, am Nachmittag fühlt sich dieselbe Wetterlage bei Sonnenschein erstaunlich mild an.
Die aktuellen Berechnungen deuten sogar darauf hin, dass die Tageshöchstwerte zum Wochenende wieder deutlich steigen können. Damit ist der Spätsommer nicht zwangsläufig vollständig vorbei. Entscheidend ist jedoch: Selbst wenn tagsüber noch einmal Temperaturen über 20 oder örtlich 25 Grad erreicht werden, haben die Nächte inzwischen einen klar herbstlichen Charakter.
Wer die regionalen Unterschiede verfolgen möchte, findet auf den hochaufgelösten Temperaturkarten von Blick aufs Wetter die Entwicklung über Deutschland sowie detaillierte Ortsvorhersagen für die kommenden Tage.
Der Herbst macht sich damit zunächst weniger durch Dauerregen oder Sturm bemerkbar als durch etwas viel Alltäglicheres: Nach Sonnenuntergang verschwindet die Wärme inzwischen erstaunlich schnell.
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