Symbolfoto: TreptowerAlex / Pixabay
Der Rhein führt im August 2026 außergewöhnlich wenig Wasser. Besonders eindrucksvoll ist die Situation in Düsseldorf, wo der Pegel inzwischen sogar unter den Pegelnullpunkt gefallen ist. Auch am Mittelrhein werden historische Tiefstände erreicht. Ursache ist vor allem das über Monate entstandene Niederschlagsdefizit. Einzelne Schauer und Gewitter reichen nicht aus, um die Situation grundlegend zu verändern.
Stand: 18. August 2026
Düsseldorf fällt unter den bisherigen Rekord
Am Rhein hat sich die Niedrigwasserlage in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Düsseldorf. Dort wurde am 18. August zeitweise ein Pegelstand von etwa minus 2 Zentimetern gemessen. Der bisher in den amtlichen Pegelkennwerten geführte niedrigste bekannte Wasserstand beträgt 23 Zentimeter und stammt vom 23. Oktober 2018.
Damit liegt der aktuelle Messwert deutlich unter dem historischen Vergleichswert. Da aktuelle Pegeldaten zunächst als ungeprüfte Rohdaten veröffentlicht werden können, sind nachträgliche kleinere Korrekturen möglich. An der außergewöhnlichen Größenordnung der aktuellen Niedrigwasserlage ändert das jedoch wenig.
Der Rhein hat in Düsseldorf ein Niveau erreicht, das selbst das extreme Niedrigwasser von 2018 unterschreitet.
Was ein negativer Pegelstand wirklich bedeutet
Ein Pegelstand von minus 2 Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein an dieser Stelle nur wenige Zentimeter tief ist. Der Pegelwert ist nicht mit der tatsächlichen Wassertiefe gleichzusetzen.
Jede Pegelmessstelle besitzt einen festgelegten Pegelnullpunkt. Sinkt die Wasseroberfläche unter diese Bezugshöhe, erscheinen negative Pegelwerte. Die Fahrrinne des Rheins liegt deutlich tiefer. Ein negativer Messwert bedeutet deshalb nicht, dass der Fluss unmittelbar trockenfällt.
Hydrologisch ist ein solcher Wert dennoch bemerkenswert. Er zeigt, wie weit sich der Rhein von normalen Wasserständen entfernt hat und wie außergewöhnlich trocken die vergangenen Monate im Einzugsgebiet waren.
Auch Kaub und weitere Rheinpegel extrem niedrig
Die Situation beschränkt sich nicht auf Düsseldorf. Auch am Mittelrhein und an weiteren Abschnitten des Flusses liegen die Wasserstände auf außergewöhnlich niedrigem Niveau. Besonders wichtig ist der Pegel Kaub, da dieser Abschnitt des Mittelrheins für die Binnenschifffahrt eine große Bedeutung besitzt.
Auch dort wurden im August Werte erreicht, die unter bisherigen historischen Vergleichsständen liegen. Weitere Pegel wie Köln und Duisburg zeigen ebenfalls deutlich, wie ausgeprägt das aktuelle Niedrigwasser ist.
Die absoluten Pegelwerte verschiedener Orte dürfen allerdings nicht direkt miteinander verglichen werden. Jede Pegelmessstelle besitzt einen eigenen Pegelnullpunkt. Entscheidend ist deshalb immer der Vergleich mit den langjährigen Werten des jeweiligen Standortes.
Niedrigwasser betrifft große Teile Deutschlands
Nicht nur der Rhein führt derzeit wenig Wasser. Auch in anderen deutschen Stromgebieten sind die Wasserstände niedrig. Die lange trockene Witterung zeigt inzwischen deutliche Auswirkungen auf Flüsse, kleinere Gewässer und regional auch auf die Bodenfeuchte.
Besonders auffällig ist die Situation derzeit am Rhein, weil dort mehrere Pegel historische oder nahezu historische Tiefstände erreicht haben. Der Rhein macht damit sichtbar, was sich über Monate aufgebaut hat: Deutschland fehlt in vielen Regionen weiterhin Wasser.
Warum ist der Rhein so niedrig?
Das aktuelle Niedrigwasser lässt sich nicht durch einige wenige trockene Tage erklären. Entscheidend ist vielmehr ein Niederschlagsdefizit, das sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut hat. Seit dem Frühjahr fiel in zahlreichen Regionen weniger Regen als normalerweise zu erwarten wäre. Gleichzeitig trockneten die Böden zunehmend aus.
Im Sommer kamen wiederholt sehr warme und heiße Wetterphasen hinzu. Hohe Temperaturen verstärken die Verdunstung aus Böden, Pflanzen und offenen Wasserflächen. Gleichzeitig fehlten über längere Zeit großflächige und ergiebige Regengebiete.
Für einen großen Fluss wie den Rhein ist dabei nicht entscheidend, ob es an einem einzelnen Ort kräftig regnet. Sein Wasser stammt aus einem riesigen Einzugsgebiet. Entscheidend ist, wie viel Niederschlag über große Flächen fällt und wie viel davon über Bäche, Nebenflüsse und Grundwasser tatsächlich den Rhein erreicht.
Warum Schauer und Gewitter kaum ausreichen
In den vergangenen Tagen gab es regional wieder Schauer und Gewitter. Dieser Regen ist für die Vegetation und die oberen Bodenschichten durchaus hilfreich. Für einen großen Fluss wie den Rhein bleibt seine Wirkung jedoch häufig begrenzt.
Nach längerer Trockenheit kann ein erheblicher Teil des Niederschlags zunächst von den Böden aufgenommen werden. Außerdem treten Schauer und Gewitter räumlich sehr ungleichmäßig auf. Während lokal größere Mengen fallen können, bleiben wenige Kilometer entfernt nur geringe Niederschläge oder sogar trockene Gebiete zurück.
Hinzu kommt die zeitliche Verzögerung innerhalb des Flusssystems. Niederschlag im Süden oder Südwesten des Einzugsgebietes erreicht den Mittelrhein und den Niederrhein nicht sofort. Das Wasser benötigt Zeit, um über kleinere Gewässer und Nebenflüsse in den Rhein zu gelangen.
Lokale Gewitter können den Pegel deshalb kurzfristig beeinflussen, eine nachhaltige Erholung des Rheins aber kaum auslösen.
Was für eine deutliche Erholung notwendig wäre
Für eine nachhaltige Verbesserung müsste sich die Wetterlage grundsätzlich ändern. Notwendig wären wiederholt großflächige und ergiebige Niederschläge über weiten Teilen des Rheineinzugsgebietes.
Besonders wichtig wären Regenfälle in den Quellgebieten und in den Einzugsgebieten großer Nebenflüsse wie Main, Mosel und Neckar. Erst wenn diese Zuflüsse wieder deutlich mehr Wasser führen, kann sich auch der Rhein über einen längeren Zeitraum erholen.
Ein einzelnes Regenereignis reicht nach der langen Trockenperiode kaum aus. Das über Wochen und Monate entstandene Wasserdefizit lässt sich nicht innerhalb weniger Tage ausgleichen.