Meteorologischer und astronomischer Sommeranfang
Der Sommer beginnt nicht für alle Kalender zur gleichen Zeit. In der Meteorologie startet er jedes Jahr am 1. Juni. Diese feste Einteilung hat einen praktischen Grund: Wetter- und Klimadaten lassen sich besser vergleichen, wenn ganze Monate betrachtet werden. Der meteorologische Sommer umfasst deshalb immer Juni, Juli und August. So können Temperatur, Regen, Sonnenschein und Trockenheit sauber von Jahr zu Jahr eingeordnet werden.
Der astronomische Sommer richtet sich dagegen nach dem Lauf der Erde um die Sonne. Er beginnt mit der Sommersonnenwende, also an dem Tag, an dem die Sonne auf der Nordhalbkugel ihren höchsten Stand erreicht und der Tag am längsten ist. Das geschieht meist am 20. oder 21. Juni. Danach werden die Tage bereits wieder kürzer, obwohl die wärmste Phase des Jahres in Deutschland häufig erst noch bevorsteht.
Dieser scheinbare Widerspruch ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des Sommers. Die Sonne liefert um die Sonnenwende zwar besonders viel Energie, doch die Atmosphäre reagiert verzögert. Böden, Wälder, Städte, Flüsse und Seen müssen sich erst weiter erwärmen. Erst wenn diese gespeicherte Wärme mit stabilen Wetterlagen und warmen Luftmassen zusammenkommt, stellt sich der eigentliche Hochsommer ein.
Warum die größte Wärme erst später kommt
Die höchsten Temperaturen sind in Deutschland im langjährigen Mittel nicht Anfang oder Mitte Juni zu erwarten, sondern meist im Juli und häufig auch noch im August. Der Juli ist dabei in vielen Klimareihen der wärmste Monat des Jahres. Der August folgt nur wenig dahinter, kann aber bei lang anhaltenden Hochdrucklagen ebenfalls sehr hohe Temperaturen bringen.
Der Grund liegt in der sogenannten thermischen Trägheit. Auch wenn die Tage nach der Sommersonnenwende langsam kürzer werden, bleibt die Energiebilanz zunächst sommerlich. Die Erdoberfläche hat sich bis dahin weiter aufgeheizt, die Nächte sind kurz, und bei sonnigem Wetter geht nur wenig Wärme verloren. Besonders in Städten wird diese Wärme zusätzlich gespeichert. Asphalt, Beton und Mauerwerk geben die am Tag aufgenommene Energie in der Nacht nur langsam wieder ab.
Damit Hitze entsteht, reicht die hohe Sonne allein jedoch nicht aus. Entscheidend ist die Wetterlage. Breitet sich hoher Luftdruck über Mitteleuropa aus oder gelangt warme bis heiße Luft aus südlichen Richtungen nach Deutschland, können die Temperaturen rasch steigen. Dann sind am Oberrhein, in Teilen Südwestdeutschlands, in den großen Flusstälern und in windgeschützten Beckenlagen besonders hohe Werte möglich. In Küstennähe, auf den Mittelgebirgen und in höheren Lagen bleibt es dagegen oft etwas gedämpfter, selbst wenn die Luftmasse grundsätzlich warm ist.
Der Juni zwischen Frühsommer und Schafskälte
Der Juni ist deshalb oft noch kein ausgeprägter Hitzemonat. Zwar ist die Sonneneinstrahlung kräftig, doch die Atmosphäre trägt zu Beginn des Sommers noch Spuren des Frühjahrs. Nordwestliche Strömungen können kühlere Meeresluft nach Deutschland führen, Tiefdruckgebiete bringen Schauer, Gewitter und wechselhafte Abschnitte, und nach klaren Nächten kann es besonders in ländlichen Regionen noch frisch werden.
Bekannt ist in diesem Zusammenhang die Schafskälte. Sie beschreibt eine wiederkehrende Phase im Frühsommer, in der kühlere Luft nach Mitteleuropa einfließen kann. Sie tritt nicht jedes Jahr gleich stark auf und ist keine feste Regel, zeigt aber, dass der Juni trotz langer Tage noch anfällig für deutliche Temperaturrückgänge ist. Für Landwirtschaft, Gartenbau und Veranstaltungen im Freien kann diese Phase spürbar sein, vor allem wenn Wind, Regen und niedrige Nachttemperaturen zusammenkommen.
Ausnahmen gehören jedoch ebenfalls zum deutschen Sommerklima. Der Juni kann unter günstigen Bedingungen sehr heiß werden. Wenn sich Hochdruckgebiete festsetzen, die Böden abtrocknen und warme Luft aus Südwesten oder Süden einströmt, entwickelt sich auch im Frühsommer eine markante Hitzelage. Dann kann der Juni zeitweise Werte erreichen, die eher an den Hochsommer erinnern. Solche Lagen zeigen, dass der Frühsommer zwar im Mittel weniger heiß ist als Juli und August, aber keineswegs harmlos oder kühl sein muss.
Die Rolle warmer Nächte im Hochsommer
Der Unterschied zwischen Frühsommer und Hochsommer zeigt sich besonders deutlich in den Nächten. Anfang Juni können warme Tage noch von recht kühlen Nächten begleitet werden. Vor allem außerhalb der Städte, in Senken, Tälern und höheren Lagen sinken die Temperaturen bei klarem Himmel oft rasch. Die Luft ist dann trockener, die Böden sind noch nicht vollständig aufgeheizt, und die gespeicherte Wärme reicht noch nicht aus, um die Nacht mild zu halten.
Im Juli und August verändert sich dieses Verhalten. Nach längeren warmen Phasen bleibt mehr Energie im Boden, in Gebäuden und in der bodennahen Luft gespeichert. Dadurch kühlt es nachts langsamer ab. In Ballungsräumen kann sich die Wärme besonders hartnäckig halten, weil versiegelte Flächen und dichte Bebauung die Abkühlung bremsen. Für den menschlichen Körper sind solche warmen Nächte oft belastender als einzelne heiße Nachmittage, weil die Erholung eingeschränkt wird.
Auch für die Natur spielt die nächtliche Abkühlung eine wichtige Rolle. Kühle Nächte können Pflanzen entlasten und die Verdunstung begrenzen. Bleiben die Nächte dagegen wiederholt sehr mild, steigt der Wasserbedarf. In trockenen Sommern verschärft das den Stress für Wälder, Felder, Gärten und Stadtgrün.
Heiße und kühle Sommer in der Klimageschichte
Ein Blick in die Klimageschichte zeigt, wie unterschiedlich Sommer in Deutschland ausfallen können. Besonders heiß war der Sommer 2003. Er gilt bis heute als einer der markantesten Hitzesommer der modernen Messgeschichte. Große Hitze, Trockenheit und hohe Belastung für Menschen, Natur und Landwirtschaft prägten damals weite Teile Europas.
Auch die Sommer 2018, 2019 und 2022 gehören zu den außergewöhnlich warmen Sommern in Deutschland. Sie stehen für eine jüngere Entwicklung, bei der sehr warme Sommer häufiger auftreten als in früheren Jahrzehnten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Hitzetage, sondern um lange Phasen mit überdurchschnittlichen Temperaturen, trockenen Böden und hoher Sonnenscheindauer. Solche Sommer wirken weit über das Wettergefühl hinaus. Sie beeinflussen Wasserstände, Ernten, Waldbrandgefahr, Stadtklima und die Planung im Alltag.
Zu den kältesten Sommern seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen zählt der Sommer 1913. Auch die Sommer 1907 und 1916 waren ausgesprochen kühl. Solche Sommer lagen deutlich unter dem heutigen Temperaturniveau und zeigen, wie groß die natürliche Spannweite früherer Sommer war. Aus heutiger Sicht wirken sie besonders ungewöhnlich, weil sich das Grundniveau der Temperaturen inzwischen verschoben hat.
Eine Sonderstellung nimmt das Jahr 1816 ein, das als Jahr ohne Sommer in die Klimageschichte eingegangen ist. Es liegt vor der modernen deutschen Messreihe, ist aber als außergewöhnlich kühles Jahr in Europa bekannt. Hintergrund war eine starke vulkanische Beeinflussung der Atmosphäre, die die Sonneneinstrahlung abschwächte und das Wetter in vielen Regionen der Nordhalbkugel aus dem Gleichgewicht brachte.