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Wetterlage
Die großräumige Zirkulation über dem Nordatlantik und Europa bleibt in der zweiten Februarhälfte 2026 insgesamt westlich geprägt, zeigt jedoch zunehmende Wellenbildung im Bereich des Jetstreams. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich vorübergehend meridionale Strömungsmuster einstellen.
Im Modellvergleich ergeben sich nun klarere Unterschiede zum Monatsende. Das GFS simuliert eine stärkere Amplifizierung der Frontalzone mit einem Trogvorstoß nach Mitteleuropa und einer anschließenden Drehung der Strömung auf nördliche bis nordöstliche Richtungen. In dieser Konstellation würde kontinentale Kaltluft vor allem den Osten und Nordosten Deutschlands erreichen.
Das ECMWF stützt grundsätzlich die Tendenz zu einer stärkeren Wellenbildung, fällt jedoch weniger ausgeprägt aus. Hier dominiert eher eine abgeschwächte Trogpassage mit anschließender Übergangslage, ohne nachhaltige Ostströmung. ICON positioniert sich zwischen beiden Lösungen und zeigt ebenfalls eine Abkühlungstendenz, jedoch mit größerer Unsicherheit hinsichtlich Dauer und Intensität.
Vorhersage
Im Norden Deutschlands deutet GFS zum Monatsende eine markantere Abkühlung an. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Teilen Niedersachsens würde die 850-hPa-Temperatur deutlich unter den Gefrierpunkt sinken. In Verbindung mit einem Tiefdruckimpuls über der Ostsee ergäbe sich ein Szenario mit Schneefall bis in tiefe Lagen. Vor allem der Nordosten könnte vorübergehend eine geschlossene Schneedecke ausbilden.
ECMWF zeigt ebenfalls eine Abkühlung, jedoch mit schwächerer Kaltluftzufuhr und geringerer Niederschlagsintensität. Schnee wäre hier eher regional und zeitlich begrenzt zu erwarten. ICON tendiert zu einer ähnlichen Lösung, lässt aber bei geeigneter Konstellation ebenfalls nennenswerte Schneesignale im Nordosten erkennen.
In der Mitte Deutschlands hängt die Entwicklung stark von der genauen Lage der Luftmassengrenze ab. GFS verlagert diese weiter nach Westen, sodass auch Teile von Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen zeitweise in den Bereich winterlicher Niederschläge geraten könnten. ECMWF hält die kältere Luft stärker im Osten gebunden, wodurch westlich davon eher Regen oder Schneeregen dominieren würde.
Im Süden Deutschlands bleibt der Einfluss milderer Luftmassen wahrscheinlicher. Selbst bei einer östlichen Abkühlung würde der Oberrheingraben voraussichtlich länger im Bereich leicht positiver Temperaturen verbleiben. In Bayern hingegen, insbesondere in Ostbayern, wäre bei einer stärkeren Nordostströmung ebenfalls Schneefall möglich. In den Alpen würde die Schneefallgrenze deutlich sinken, was für Wintersportregionen nochmals günstige Bedingungen bringen könnte.
Wetter in der Nacht
Sollte sich das kältere Szenario zumindest regional durchsetzen, wären besonders im Osten und Nordosten mehrere Frostnächte möglich. Bei Aufklaren hinter einem Tiefdrucksystem könnte sich die Kaltluft bodennah zusätzlich verstärken, was die Glättegefahr erhöht.
Im Westen und Südwesten bleiben die Nächte voraussichtlich milder, vor allem wenn sich dort weiterhin atlantische Luftmassen behaupten. Hier ist eher mit wechselnder Bewölkung und zeitweise frostfreien Nächten zu rechnen.
Weitere Aussichten
Die Ensemble-Auswertungen zeigen zum Monatsende eine zunehmende Streuung, was auf eine empfindliche Lage im Strömungsmuster hinweist. Das GFS-Szenario mit deutlicher Kälte im Osten und Nordosten besitzt durchaus Unterstützung in einzelnen Ensemblemitgliedern, wird jedoch nicht einheitlich getragen. ECMWF signalisiert eine Abkühlung, aber mit geringerer Dynamik und geringerer Dauer.
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für eine zumindest vorübergehende Rückkehr spätwinterlicher Verhältnisse im Osten Deutschlands. Ob daraus eine flächige und nachhaltige Winterlage entsteht, bleibt jedoch unsicher.
Für Verkehr und Alltag bedeutet das insbesondere im Nordosten erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich Schneefall und Glätte zum Monatsende. In der Landwirtschaft könnte ein später Kältereiz die Vegetationsentwicklung erneut bremsen. Gleichzeitig bleibt der Westen Deutschlands voraussichtlich stärker vom wechselhaften, eher milden Atlantikeinfluss geprägt.