Das Nikolaustauwetter beschreibt eine wiederkehrende Witterungssingularität rund um den 6. Dezember. Gemeint ist eine Phase milderer Atlantikluft, die häufig genau dann nach Mitteleuropa gelangt. Während Anfang Dezember eigentlich die ersten stabileren Winterlagen einsetzen könnten, zeigen langfristige Beobachtungen, dass rund um Nikolaus immer wieder ein kurzes, aber deutliches Temperaturplus auftritt. Charakteristisch sind steigende Temperaturen, nasse Witterung und in den Mittelgebirgen zeitweiliges Tauwetter.
Welcher Zeitraum ist gemeint?
Meteorologisch umfasst das Nikolaustauwetter meist den Zeitraum vom 4. bis 8. Dezember. Das Zentrum liegt am 6. Dezember. In diesen Tagen schwenkt die Großwetterlage oft auf milde West- oder Südwestströmung. Die Phase dauert üblicherweise zwei bis vier Tage und bringt Regen, Wind und milde Temperaturen. In höheren Lagen setzt häufig Tauwetter ein, während das Flachland vor allem nasses, windiges Wetter erlebt.
Gilt das in der heutigen Zeit noch?
In tiefen Lagen liegt am 6. Dezember in den meisten Jahren längst kein Schnee mehr, weshalb der Begriff „Tauwetter“ dort nur theoretisch wirkt. Sichtbar ist das Nikolaustauwetter heute vor allem in den Mittelgebirgen und Alpen. Dort kann Anfang Dezember bereits eine Schneedecke existieren, die durch milde Atlantikluft oft wieder abgeschmolzen oder stark angegriffen wird. Im Flachland spürt man den Effekt hauptsächlich durch eine spürbare, aber wenig spektakuläre Milderung.
Historischer Rückblick
In den langen Wetterreihen Deutschlands finden sich zahlreiche markante Nikolausereignisse. Besonders ausgeprägt zeigte sich das Nikolaustauwetter unter anderem 1908, 1953, 1979, 1993 und 2006. In diesen Jahren lagen zuvor winterliche Bedingungen vor, die rund um den 6. Dezember von kräftigen Warmluftschüben verdrängt wurden. In den Mittelgebirgen schmolz Schnee teils bis in große Höhenlagen ab, und Regen dominierte die Witterung. In der jüngeren Vergangenheit tritt das Phänomen weiterhin auf, jedoch oft weniger deutlich, weil in vielen Regionen Anfang Dezember keine stabile Schneedecke mehr vorhanden ist.
Wie entwickelt sich das Wetter nach dem Nikolaustauwetter?
Typischerweise sinken die Temperaturen nach dem milden Nikolausintermezzo wieder etwas ab. Die mildeste Phase ist dann meist vorbei. Häufig stabilisiert sich das Wetter unter schwachem Hochdruckeinfluss, die Temperaturen liegen im Durchschnitt wieder niedriger, und in den Mittelgebirgen steigt die Wahrscheinlichkeit für Neuschnee leicht an. Diese Zeit bildet den Übergang zu den typischen Dezemberwinterlagen, die sich oft zwischen dem 10. und 20. Dezember einstellen.