Wetteranomalien im September in Deutschland, Österreich und der Schweiz – ein Rückblick
Der September ist ein Monat der Gegensätze. Manchmal präsentiert er sich als „verlängerter Sommer“ mit Hitzetagen, manchmal bringt er frühe Wintergrüße mit Frost und Schnee. Ein Blick zurück zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und extrem dieser Monat in Mitteleuropa verlaufen kann – und wie sich der September im Zeichen des Klimawandels bereits verändert hat.
Wenn der Sommer in den Herbst hineinragt – außergewöhnlich warme September
In den letzten Jahrzehnten häufen sich Septembermonate, die noch einmal hochsommerliche Werte bringen.
-
Deutschland: Der September 2023 war mit einem bundesweiten Mittel von 17,2 °C der wärmste seit Beginn der Messungen 1881. Mehr als die Hälfte der Tage brachte Temperaturen über 25 °C, teils sogar über 30 °C. Ältere Rekordmarken bleiben dennoch bemerkenswert: Am 6. September 1911 wurden in Jena 36,5 °C gemessen, 1947 ebenfalls 36,5 °C in Bühlertal.
-
Österreich: Am 1. September 2015 stieg die Temperatur in Pottschach/Ternitz auf 36,0 °C – die höchste je gemessene Septembertemperatur im Land. Auch der September 2024 startete mit neuen Hitzerekorden an einigen Stationen.
-
Schweiz: Im September 2023 wurde schweizweit der wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Bereits 2020 waren in Basel Spitzenwerte von 33,5 °C gemessen worden.
Diese Häufung zeigt klar: Der September entwickelt sich immer öfter zu einem „zweiten Hochsommer“.
Früher Wintergruß – Schnee und Frost im September
So warm der September sein kann, so drastisch fällt manchmal der Umschwung aus. Ein aktuelles Beispiel ist der September 2024, als am 13.09. in Hall bei Admont (637 m) in der Steiermark 5 cm Schnee gemeldet wurden. In Tirol, Vorarlberg und der Schweiz sank die Schneefallgrenze auf teils unter 1.000 m.
Auch München hat seine Oktoberfest-Schneegeschichte: Am 24. September 2002 fielen während des Volksfestes tatsächlich Niederschläge „mit Schnee vermischt“. Eine Schneedecke bildete sich nicht, aber das Ereignis ist offiziell dokumentiert – und zählt zu den seltenen „Wiesn-Schneetagen“.
Im Hochgebirge ist Schnee im September fast Normalität. Auf der Zugspitze fällt fast jedes Jahr im Monatsverlauf Neuschnee. In der Schweiz sank die Schneefallgrenze Ende September 2022 kurzzeitig auf rund 1.400 m, und auch im Engadin gab es in den letzten Jahrzehnten wiederholt Septembertage mit Dauerfrost.
Der September 1931 – ein historisch kühler Monat
Besonders hervorzuheben ist der September 1931, einer der kältesten des 20. Jahrhunderts. In Deutschland lag das Monatsmittel bei nur etwa 10,2 °C, also rund drei Grad unter dem damaligen Klimamittel. Frostnächte traten ungewöhnlich früh auf, und am 25. September meldeten das Erzgebirge und der Bayerische Wald Schneefall bis in mittlere Lagen. Auch in Österreich und der Schweiz war dieser Monat geprägt von einer anhaltenden Nordlage, die polare Kaltluft nach Mitteleuropa lenkte.
Trockenheit oder Flut – September zwischen Extremen
Der September kann sowohl „goldener Bilderbuchmonat“ sein als auch Katastrophenwetter bringen.
-
Trockenheit: 1959 und 2018 zählen in Deutschland zu den trockensten Septembern der Messgeschichte. Wochenlang blieb es sonnig, die Waldbrandgefahr war hoch.
-
Starkregen: Im Herbst 2002 fielen in Österreich und Teilen der Schweiz außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen, vielerorts wurden Monatsrekorde aufgestellt. Auch 2024 verzeichnete Österreich den nassesten September seit Beginn der Aufzeichnungen mit 270–420 mm Niederschlag in manchen Regionen.