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Fast 30 Grad Ende September: Wird unser Herbst wärmer?

Fast 30 Grad Ende September: Wie sich der Herbst in Deutschland verändert, was die DWD-Klimareihen zeigen und wie warm der September 2026 bisher ist.

Fast 30 Grad Ende September: Wird unser Herbst wärmer?

Am Morgen eine Jacke, am Nachmittag noch einmal Sommerkleidung: Ende September können in Deutschland zwei Jahreszeiten in einen Tag passen. Für den Ausklang des September 2026 wurden im Südwesten sogar Temperaturen nahe 30 Grad angekündigt. Das wirkt umso auffälliger, weil die Tage bereits spürbar kürzer werden und der Herbst längst begonnen hat. Ist diese späte Wärme eine Laune des Wetters, oder verändert sich gerade das, was wir unter einem normalen Herbst verstehen?

Die langfristigen Temperaturreihen geben eine klare Antwort: Der Herbst in Deutschland ist wärmer geworden. Wie warm ein einzelner Tag ausfällt, entscheidet weiterhin die jeweilige Wetterlage. Sie trifft heute jedoch auf ein höheres Temperaturniveau als früher. Beides gehört zusammen, wenn man die Wärme zum Septemberende einordnen will.

Warme Luft und viel Sonne ermöglichen späte Sommertage

Die zum Monatsende angekündigte Wärme hat zunächst einen konkreten meteorologischen Hintergrund. Hoher Luftdruck über Mittel- und Osteuropa begünstigt ruhiges Wetter; an seiner Westseite kann warme Luft aus südlichen Breiten nach Deutschland gelangen. Wo die Sonne länger scheint und sich Nebel rasch auflöst, erwärmt sich die bodennahe Luft besonders stark. Für den Oberrhein und andere begünstigte Regionen im Südwesten rückten dadurch noch einmal Werte von 28 bis 30 Grad in die Vorhersagen. Die regionale Entwicklung beschreibt unser Bericht über die spätsommerliche Wärme zum Septemberausklang.

Für die letzte Septemberwoche sind solche Höchstwerte bemerkenswert, denn die Sonne steht deutlich tiefer als im Hochsommer. Eine warme Luftmasse allein genügt deshalb nicht überall: Bewölkung, Nebel, Wind und die Höhenlage beeinflussen, wie viel von der Wärme am Boden ankommt. Die angekündigten Spitzenwerte gelten für besonders warme Regionen und sind keine deutschlandweite Temperaturangabe. Ob vor Ort tatsächlich 30 Grad erreicht werden, lässt sich erst anhand der Messwerte feststellen.

Der bisherige September liegt deutlich über dem Klimamittel

Auch abseits einzelner warmer Nachmittage fällt der September 2026 bisher warm aus. Unsere flächendeckende Auswertung der DWD-HYRAS-Rasterdaten zeigt bis einschließlich 28. September eine Temperaturabweichung von rund +1,9 Grad gegenüber dem Septembermittel der Referenzperiode 1991–2020. Dieser Wert beschreibt den bisherigen Monatsdurchschnitt über die Fläche Deutschlands. Er ist deshalb etwas anderes als ein örtlicher Höchstwert von knapp 30 Grad.

Die Auswertung ist vorläufig: Zwei Tage des Monats fehlen noch, und die zugrunde liegenden Tagesdaten können nachträglich qualitätsgesichert angepasst werden. Zudem wird der bisherige Temperaturdurchschnitt mit dem Klimamittel des vollständigen Septembers verglichen, nicht mit einem gesonderten Mittel ausschließlich für die ersten 28 Tage. Die laufend aktualisierten Karten und die Bilanzen abgeschlossener Monate finden Sie in unserer Klimabilanz für Deutschland. Eine endgültige Rangfolge für September 2026 lässt sich aus dem Zwischenstand noch nicht ableiten.

Die Klimareihen zeigen einen wärmeren Herbst in Deutschland

Für die langfristige Einordnung zählt der meteorologische Herbst mit den Monaten September, Oktober und November. Eine eigene Auswertung der DWD-Gebietsmittel ergibt für 1961–1990 eine durchschnittliche Herbsttemperatur von rund 8,8 Grad. Im folgenden Vergleichszeitraum 1991–2020 waren es rund 9,3 Grad. Aus den ungerundeten Werten ergibt sich ein Anstieg um knapp 0,6 Grad. Beim September stieg das Mittel von rund 13,3 auf 13,8 Grad, also um gut 0,5 Grad.

Noch deutlicher wird die Veränderung beim Blick über die gesamte Messreihe: Die Herbste von 1881–1910 kamen im Durchschnitt auf rund 8,2 Grad, die jüngsten 30 abgeschlossenen Herbste von 1996–2025 auf rund 9,7 Grad. Beim September stehen rund 12,9 Grad in der frühen Periode etwa 14,2 Grad in der jüngsten gegenüber. Das sind Vergleiche zweier jeweils 30-jähriger Zeiträume, keine gleichmäßige Erwärmungsrate pro Jahr. Sie zeigen aber, wie weit sich das Temperaturniveau inzwischen verschoben hat.

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Späte Wärme trifft heute auf ein höheres Temperaturniveau

Eine südliche Strömung konnte auch früher warme Septembertage bringen. Durch die langfristige Erwärmung verändern sich jedoch die Ausgangsbedingungen: Liegt das allgemeine Temperaturniveau höher, können warme Wetterlagen Temperaturgrenzen leichter überschreiten. Der menschengemachte Klimawandel hat die Häufigkeit und Intensität heißer Extreme in Europa bereits erhöht. Die konkrete Wetterlage und der Klimawandel sind deshalb keine konkurrierenden Erklärungen für Wärme, sondern wirken auf unterschiedlichen Zeitskalen zusammen.

Wie groß der Klimaanteil an genau dieser Wetterphase ist, lässt sich aus einem einzelnen Höchstwert oder einer Monatsabweichung allerdings nicht ausrechnen. Dafür wäre eine eigene Untersuchung erforderlich, die ein Klima mit und ohne menschlichen Einfluss vergleicht. Ebenso wenig kann man aus der angekündigten Wärme ableiten, dass der gesamte Oktober mild bleibt. Ein langfristig wärmerer Herbst enthält weiterhin kühle Abschnitte, Regenphasen und erste Fröste.

Sommertage im September brauchen einen eigenen Vergleich

Als Sommertag zählt ein Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad, als heißer Tag einer mit mindestens 30 Grad. Diese festen Schwellen machen verständlich, warum schon eine vergleichsweise kleine Verschiebung der Temperaturen im Alltag auffallen kann: Ein Nachmittag, der früher knapp unter 25 Grad geblieben wäre, kann unter wärmeren Ausgangsbedingungen die Sommertagsgrenze erreichen. Das betrifft grundsätzlich auch die Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst.

Wie stark späte Sommertage an einem bestimmten Ort zugenommen haben, muss anhand langer Reihen der täglichen Höchsttemperaturen geprüft werden. Aus den hier ausgewerteten Monatsmitteln lässt sich ihre Anzahl nicht ableiten. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob man den gesamten September oder nur seine letzte Woche betrachtet. Eine einzelne bundesweite Zahl würde die Unterschiede zwischen Küsten, Mittelgebirgen und warmen Flusstälern verdecken. Für die aktuelle Einordnung bleibt daher entscheidend: Wärme nahe 30 Grad zum Septemberende ist auffällig, ohne dass daraus automatisch ein örtlicher Rekord folgt.

Kühle Nächte passen zu einem langfristig wärmeren Herbst

Dass es morgens trotz warmer Nachmittage frisch sein kann, gehört zur Jahreszeit. Die längeren Nächte geben dem Boden mehr Zeit, Wärme abzugeben. Bei klarem Himmel und schwachem Wind kühlt die bodennahe Luft besonders deutlich ab; in Mulden und Tälern kann sich kalte Luft sammeln. Wo die Luft ausreichend feucht ist, bilden sich Nebel oder Hochnebel, die am folgenden Morgen den Temperaturanstieg zunächst bremsen können.

Ein kühler Morgen widerspricht deshalb weder einem warmen Monat noch dem langfristigen Erwärmungstrend. Das Klimamittel umfasst die Temperaturen über den gesamten Tag, viele Orte und viele Jahre. Gerade im Herbst können große Unterschiede zwischen Tag und Nacht den Eindruck prägen, obwohl sich im statistischen Mittel bereits eine deutliche Verschiebung zeigt.

Der Septemberausklang ist ein Anlass für den Blick auf Jahrzehnte

Die mögliche Wärme nahe 30 Grad macht den Wandel anschaulich, doch der belastbare Befund steckt in den langen Reihen: Sowohl der September als auch der gesamte meteorologische Herbst sind in Deutschland heute im Mittel wärmer als in früheren Vergleichszeiträumen. Das bedeutet keinen gleichförmigen Verlauf und garantiert keinen goldenen Oktober. Es verändert aber den klimatischen Hintergrund, vor dem sich sonnige Hochdrucklagen ebenso wie herbstliche Kaltlufteinbrüche abspielen.

Für September 2026 steht die vollständige Bilanz noch aus. Bis dahin bietet der aktuelle Zwischenstand eine Orientierung; nach Monatsende werden Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein in der Deutschland-Klimabilanz im Zusammenhang sichtbar. Erst mit allen Monatstagen lässt sich beurteilen, welchen Platz dieser September in der langen Reihe einnimmt.

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