Mehrfach über 40 Grad, fast ein Drittel zu wenig Regen und ein Rhein im Niedrigwasser: Wie der Sommer 2026 Deutschland prägte – und wo er Rekorde aufstellte.
Samstag, 12. September 2026
Sommer 2026 im Rückblick
41,8 Grad an einer Wetterstation, nur sechs Zentimeter am Rheinpegel: Zwei Zahlen erzählen viel über den Sommer 2026 in Deutschland. Die eine steht für eine Hitze, die neue Grenzen erreichte. Die andere für einen Wassermangel, der bis in die Lieferketten der Industrie hineinwirkte. Dazwischen lagen warme Nächte, dürstende Felder und die Frage, ob dieser Sommer selbst das Ausnahmejahr 2003 hinter sich gelassen hat.
Deutschland erlebte einen seiner wärmsten Sommer seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen 1881. Im Mittel fehlte fast ein Drittel des üblichen Regens. Doch die Jahreszeit hatte unterschiedliche Gesichter: Im Südwesten hielt sich die Hitze besonders hartnäckig, während der Nordosten nach dem extremen Juni auch wechselhaftere Abschnitte mit Abkühlung erlebte.
Als 40 Grad an vielen Orten überschritten wurden
Der Höhepunkt kam früh. Schon Ende Juni stiegen die Temperaturen in Bereiche, die hierzulande lange als seltene Ausnahme galten. Am 26. Juni wurden in Saarbrücken-Burbach 41,3 °C gemessen. Einen Tag später folgten 41,8 °C in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt – ein neuer Deutschlandrekord. Die Extremwerte der Juni-Hitzewelle sind inzwischen messtechnisch geprüft.
Es blieb nicht bei einer einzelnen Rekordstation. An mehreren Tagen und an zahlreichen Messorten kletterte das Thermometer über 40 °C. Die Auswertung der Tageshöchstwerte weist folgende Überschreitungen aus:
26. Juni: 12 Wetterstationen mit mehr als 40 °C.
27. Juni: 45 Wetterstationen mit mehr als 40 °C.
28. Juni: 16 Wetterstationen mit mehr als 40 °C.
30. Juli: 6 Wetterstationen mit mehr als 40 °C.
Damit ist die Überschreitung der 40-Grad-Marke an mindestens vier Tagen belegt. Allein diese vier Termine ergeben zusammen 79 Fälle, gezählt je Station und Tag. Das sind keine 79 verschiedenen Orte: Erreichte eine Station an mehreren Tagen mehr als 40 °C, wird sie für jeden dieser Tage mitgezählt. Werte von genau 40,0 °C sind in dieser Aufstellung nicht enthalten.
Selbst die Nacht brachte am Höhepunkt kaum Entlastung. In Kubschütz in Sachsen sank die Temperatur in der Nacht zum 28. Juni nicht unter 29,4 °C. Für ein nächtliches Minimum war das ein neuer deutscher Extremwert. Was tagsüber als Rekord in die Statistik einging, bedeutete für viele Menschen eine zusätzliche Nacht ohne ausreichende Abkühlung.
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Drei Sommermonate, durchweg über dem Mittel
Für die Wetterbilanz zählt ein klarer Zeitraum: Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August und umfasst Juni, Juli und August. Anders als beim astronomischen Sommer richten sich seine Grenzen nach ganzen Monaten. So lassen sich die Jahre unmittelbar vergleichen; warme Septembertage gehören bereits zum meteorologischen Herbst.
Gemessen an der Klimaperiode 1991–2020 lagen alle drei Sommermonate 2026 über ihrem jeweiligen Temperaturmittel. Die Monatsbilanz mit Datenstand 2. September zeigt:
Juni: 19,4 °C, ein Plus von 3,0 Grad. Damit war er der zweitwärmste Juni seit 1881.
Juli: 19,5 °C, ein Plus von 1,2 Grad. Das bedeutet Platz sieben unter den wärmsten Juli-Monaten.
August: 19,7 °C, ein Plus von 1,8 Grad. Er erreichte Rang acht in der August-Reihe.
Der August war damit im absoluten Mittel der wärmste der drei Monate. Am stärksten wich jedoch der Juni von der üblichen Witterung ab. Die Zahlen umfassen jeweils ganz Deutschland und sämtliche Tageszeiten einschließlich der Nächte.
Für den gesamten Sommer ergibt sich aus den Monatswerten eine Mitteltemperatur von rund 19,5 °C – knapp zwei Grad über dem Sommermittel 1991–2020. Die vorläufige Saisonbilanz hatte 19,6 °C genannt. Die kleine Differenz zwischen diesen Datenständen ändert die Einordnung nicht: Nach der bisherigen Bilanz war nur der Sommer 2003 mit rund 19,7 °C noch wärmer. Gegenüber der älteren Vergleichsperiode 1961–1990 liegt das Plus bei rund 3,2 bis 3,3 Grad.
Beim Regen riss vor allem der Juli eine Lücke
Zur Wärme kam der Wassermangel. Schon im Juni fiel weniger Regen als im Mittel, im Juli verschärfte sich das Defizit deutlich. Auch der August füllte die Lücke bundesweit nicht wieder auf:
Juni: 65,9 Liter je Quadratmeter. Das waren 87 Prozent des üblichen Niederschlags, also etwa 13 Prozent weniger.
Juli: 43,7 Liter je Quadratmeter. Nur die Hälfte des Monatsmittels wurde erreicht.
August: 60,5 Liter je Quadratmeter. Das entsprach 78 Prozent des Mittels, einem Minus von etwa 22 Prozent.
Über die drei Monate summierte sich der Regen auf 170,1 Liter je Quadratmeter. Üblich wären im Vergleichszeitraum 1991–2020 rund 241 Liter gewesen. Es fehlten damit etwa 71 Liter oder 29 Prozent. Einzelne Gewitter konnten örtlich viel Wasser bringen, den großräumigen Mangel aber nicht ausgleichen. Wie unterschiedlich der Sommer verlief, zeigt der Blick auf die Regionen: Am Alpenrand kamen örtlich mehr als 400 Liter zusammen, am nördlichen Oberrhein teilweise nur etwa 70.
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Wenn die Hitze bis in die Nacht bleibt
Für die Menschen zählte nicht allein der höchste Wert auf dem Thermometer. Belastend wurde es dort, wo auf heiße Tage warme Nächte folgten und Wohnungen kaum noch auskühlten. Die Erholungsphase schrumpfte, während die Wärmebelastung anhielt.
Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Erkrankte, Schwangere und kleine Kinder. Wer körperlich im Freien arbeitet, ist der Hitze zusätzlich ausgesetzt. Hohe Temperaturen beanspruchen Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt; sie können bestehende Erkrankungen verschärfen. Aus einem anstrengenden Sommertag kann so ein ernstes Gesundheitsrisiko werden.
Auf den Feldern fehlte Wasser, in den Ställen Futter
In der Landwirtschaft blieb die Trockenheit nicht ohne Folgen. Besonders im Süden und Südwesten wuchs Mais vielerorts nur kümmerlich, teilweise bildeten die Pflanzen keine Kolben. Auf zahlreichen Wiesen kam nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nach. Manche Betriebe mussten schon im Sommer Futterreserven anbrechen, die eigentlich für Herbst und Winter gedacht waren.
Die vorläufige Ernteschätzung für 2026 nennt 37,4 Millionen Tonnen Getreide, 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Ertrag je Hektar sank, um 5,6 Prozent. Wie stark einzelne Höfe betroffen waren, hing unter anderem von Böden, Kulturarten und regionalen Niederschlägen ab. Zur gesamten Erntebilanz gehören außerdem die Anbaufläche und die Witterung vor dem Sommer.
Sechs Zentimeter in Kaub: Der Rhein wurde zum Engpass
Besonders sichtbar wurde der Wassermangel am Rhein. Am 14. August zeigte der Pegel in Kaub um 17 Uhr nur noch sechs Zentimeter. Ausgerechnet am Mittelrhein, wo die Fahrrinne ohnehin Engstellen aufweist, geriet damit eine wichtige Verkehrsader unter Druck.
Der niedrige Pegelwert bedeutet allerdings nicht, dass der Rhein nur sechs Zentimeter tief war. Er bezeichnet die Wasserhöhe über einem festgelegten Bezugspunkt. Entscheidend für ein Schiff sind die tatsächliche Fahrrinnentiefe, sein Tiefgang und der nötige Abstand zum Flussgrund.
Für viele Frachter hieß das: weniger laden, um noch fahren zu können. Pro Fahrt ließ sich weniger Ware befördern, während Kosten für Schiff und Personal weiterliefen. Reichte die Wassertiefe auch bei geringer Beladung nicht mehr aus, fielen Transporte auf den betroffenen Strecken aus. Auch Fähren mussten zeitweise pausieren.
Die Folgen reichten weit über die Ufer hinaus. Bund und Länder berieten über Ausweichtransporte auf Straße und Schiene, um Lieferketten und Produktionsabläufe zu sichern. Zugleich blieb die Lage von Abschnitt zu Abschnitt und von Schiff zu Schiff verschieden; von einem vollständigen Stillstand auf dem gesamten Rhein konnte keine Rede sein.
Ein kräftiger Schauer am Ufer löst ein solches Problem nicht. Flüsse reagieren auf den Wasserhaushalt ihres gesamten Einzugsgebiets: auf ausbleibenden Regen, Verdunstung und die noch vorhandenen Wasservorräte. Wie sich die Lage seither entwickelt hat, zeigt unsere Übersicht der aktuellen Pegelstände in Deutschland.
Ein Rekordsommer? Es kommt auf die Messgröße an
Bei der höchsten gemessenen Temperatur setzte 2026 mit 41,8 °C eine neue Marke. Beim deutschlandweiten Mittel über Juni, Juli und August blieb der Sommer dagegen knapp hinter 2003. Und trotz des deutlichen Regendefizits lässt sich aus dieser Bilanz kein bundesweiter Rekord als trockenster Sommer ableiten.
Die Bedeutung dieses Sommers erschließt sich deshalb nicht allein aus seinem Platz in der Rangliste. Sie zeigt sich ebenso in den vielen Überschreitungen der 40-Grad-Marke, den fehlenden kühlen Nächten, ausgedünnten Futtervorräten und geringer beladenen Schiffen. 2026 führte vor Augen, wie eng Wetter, Alltag und Wirtschaft zusammenhängen.
Wie fiel der Sommer in den einzelnen Monaten und Bundesländern aus? In unserer Klimabilanz Deutschland lassen sich Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein mit dem Mittel 1991–2020 vergleichen. Wähle dort Juni, Juli oder August 2026, um die Monatswerte und regionalen Unterschiede im Detail anzusehen.
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