„Früher waren die Sommer anders.“ Diesen Satz hört man häufig. Gemeint sind sonnige Tage, Freibadwetter und angenehme Sommerabende – warm, aber angeblich ohne die extreme Hitze unserer Zeit.
Schon 1975 griff Rudi Carrell diese Sehnsucht mit seinem berühmten Sommerlied „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ auf. Ausgerechnet die historischen Wetterdaten zeigen heute, wie gut diese Frage in ihre Zeit passte. Denn der Sommer davor, 1974, war tatsächlich ziemlich kühl. Und auch in den 70er- und 80er-Jahren waren längere Phasen mit Temperaturen um 20 Grad, Regen und wechselhaftem Wetter keineswegs ungewöhnlich.
Es gab allerdings spektakuläre Ausnahmen: 1976 wurde zum Synonym für Hitze und Dürre, 1983 fiel in Deutschland erstmals offiziell die 40-Grad-Marke.
Wie sah also ein wirklich „normaler Sommer“ damals aus? Wie warm war ein typischer Sommertag? Wie häufig waren 30 Grad, Gewitter oder Trockenheit? Und was hat sich bis heute verändert?
Der normale Sommer der 70er und 80er war deutlich kühler als heute
Die Gebietsmittel des Deutschen Wetterdienstes ermöglichen einen direkten Vergleich der meteorologischen Sommermonate Juni, Juli und August. Aus den historischen DWD-Zeitreihen ergeben sich folgende Dekadenmittel:
| Zeitraum | Sommertemperatur | Sommerniederschlag | Sommertage ≥ 25 °C pro Jahr* | Heiße Tage ≥ 30 °C pro Jahr* |
|---|---|---|---|---|
| 1970–1979 | 16,35 °C | 228,6 l/m² | 27,3 | 4,5 |
| 1980–1989 | 16,33 °C | 237,5 l/m² | 28,3 | 3,9 |
*Die DWD-Kenntage werden als Jahreswerte geführt. Der weit überwiegende Teil der Sommer- und Heißen Tage fällt naturgemäß in die warme Jahreszeit.
Die beiden Jahrzehnte waren damit erstaunlich ähnlich. Sowohl die 70er als auch die 80er lagen praktisch genau auf dem später festgelegten Klimamittel 1961–1990 von 16,3 °C.
Das aktuelle Klimamittel 1991–2020 liegt dagegen bei 17,6 °C. Ein durchschnittlicher deutscher Sommer ist damit heute etwa 1,3 Grad wärmer als nach dem früheren Klimamittel.
Das klingt zunächst vielleicht nicht spektakulär. Für das Mittel einer kompletten Jahreszeit über ganz Deutschland ist eine Verschiebung von 1,3 Grad klimatologisch jedoch erheblich.
Wie sah ein typischer Sommertag in den 70ern und 80ern eigentlich aus?
Natürlich gab es nicht den einen typischen Sommertag für ganz Deutschland. Ein Julitag an der Nordseeküste sah anders aus als am Oberrhein, in München anders als in Hamburg und auf 800 Metern Höhe anders als im Rheintal.
Statistisch lässt sich das damalige Sommergefühl aber recht gut beschreiben: Ein normaler Sommertag war häufiger angenehm warm als heiß.
In vielen Regionen bewegten sich die Temperaturen tagsüber häufig in den niedrigen bis mittleren 20ern. An wärmeren Tagen wurden 25 Grad überschritten. Ein solcher Tag besitzt beim DWD bereits eine eigene klimatologische Bezeichnung: Sommertag.
Davon gab es in den 70er- und 80er-Jahren im Deutschland-Gebietsmittel lediglich rund 27 bis 28 pro Jahr. Das bedeutet: 25 Grad waren keineswegs von Juni bis August der tägliche Normalzustand.
Noch deutlicher wird es bei 30 Grad. Ein Heißer Tag ist nach Definition des DWD ein Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30,0 °C. Davon gab es in den 1970er-Jahren deutschlandweit im Mittel nur rund 4,5 Tage pro Jahr, in den 1980ern sogar nur etwa 3,9 Tage.
Ein klassischer Sommertag der damaligen Zeit könnte deshalb – stark vereinfacht – so ausgesehen haben:
Morgens: häufig noch angenehm frisch, nach klaren Nächten teilweise ausgesprochen kühl.
Vormittags: rasche Erwärmung bei Sonne, aber nicht automatisch schon Hitze.
Nachmittags: häufig Temperaturen irgendwo im Bereich der 20er. 25 Grad waren sommerlich, 30 Grad heiß.
Abends: nach Sonnenuntergang setzte meist eine merkliche Abkühlung ein.
Nachts: Temperaturen dauerhaft über 20 Grad waren eine Ausnahme.
Gerade der letzte Punkt unterscheidet viele heutige Hitzeperioden deutlich von früher. Der DWD weist darauf hin, dass Tropennächte in Deutschland bis in die 1990er-Jahre ausgesprochen selten waren.
Fenster nachts öffnen und die Wohnung deutlich herunterkühlen – das funktionierte damals während der meisten Sommerlagen wesentlich häufiger als während heutiger ausgeprägter Hitzeperioden.
Das heißt nicht, dass jeder Sommertag angenehm war. Es gab schwüle Tage, Hitzewellen, Gewitter und auch Nächte, in denen es kaum abkühlte. Aber sie waren Ausnahmen innerhalb eines deutlich kühleren Grundklimas.
25 Grad waren Sommer – 30 Grad waren Hitze
Auch sprachlich zeigt sich der Unterschied. Heute werden Temperaturen von 25 oder 26 Grad häufig als eher moderates Sommerwetter wahrgenommen. Meteorologisch beginnt beim DWD jedoch bereits bei 25,0 °C der Sommertag.
Und genau solche Tage waren früher keineswegs selbstverständlich. In den 1970er-Jahren gab es durchschnittlich rund 27 Sommertage pro Jahr, in den 1980ern etwa 28.
Besonders kühl verlief beispielsweise das Jahr 1980 mit nur rund 16 Sommertagen im Deutschland-Gebietsmittel. 1987 waren es rund 19. Dagegen erreichte der extreme Sommer 1983 ungefähr 47 Sommertage.
Zum Vergleich: 2018 kam Deutschland im Gebietsmittel auf fast 75 Sommertage.
Das zeigt die Verschiebung besonders plastisch. Was früher einen außergewöhnlich langen warmen Sommer kennzeichnete, tritt heute wesentlich häufiger auf.
30 Grad gab es selbstverständlich auch früher
Der Eindruck, früher habe es überhaupt keine Hitze gegeben, ist falsch. Auch in den 70er- und 80er-Jahren wurden regelmäßig 30 Grad und mehr erreicht. Entscheidend ist aber die Häufigkeit.
In den 1970er-Jahren gab es deutschlandweit im Flächenmittel jährlich rund 4,5 Heiße Tage, in den 1980ern sogar nur knapp 3,9 Tage.
Dabei gab es große Schwankungen. 1976 kam das Deutschland-Gebietsmittel beispielsweise auf rund 10,2 Heiße Tage, 1983 auf knapp 9,9. Dagegen brachte 1980 gerade einmal 1,45 Heiße Tage, 1987 nur 1,64.
Zum Vergleich: 2018 wurden im Deutschland-Gebietsmittel rund 20,4 Heiße Tage erreicht.
Genau darin zeigt sich eine der auffälligsten Veränderungen unseres Klimas: Nicht der einzelne heiße Tag ist neu. Neu ist die deutlich größere Häufigkeit von Hitze.
1974: Tatsächlich kein besonders „richtiger Sommer“
Ein Blick auf das Jahr vor Rudi Carrells berühmtem Lied ist besonders interessant. Der Sommer 1974 erreichte deutschlandweit lediglich eine Mitteltemperatur von 15,49 °C. Damit lag er fast ein Grad unter dem späteren Klimamittel 1961–1990.
Gleichzeitig fielen im Deutschland-Flächenmittel rund 253,4 l/m² Niederschlag. Auch die Zahl warmer Tage blieb überschaubar. Im gesamten Jahr kamen im Deutschland-Gebietsmittel nur rund 16 Sommertage und knapp drei Heiße Tage zusammen.
Wer sich damals nach einem wärmeren Sommer sehnte, hatte meteorologisch also durchaus einen Grund dazu.
1975 wurde es schon wesentlich wärmer
Ausgerechnet im Erscheinungsjahr des Liedes lieferte das Wetter bereits eine Antwort. Der Sommer 1975 erreichte 17,26 °C und war damit deutlich wärmer als 1974.
Auch die Zahl der Sommertage stieg kräftig: Deutschlandweit wurden im Gebietsmittel rund 38 Sommertage erreicht.
Und dann kam 1976.
1976: Der Dürresommer, an den sich bis heute viele erinnern
Der Sommer 1976 gehört zu den berühmtesten Wetterereignissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Mitteltemperatur von Juni bis August erreichte 17,63 °C.
Das war für damalige Verhältnisse ausgesprochen warm. Aus heutiger Sicht ist bereits dieser Vergleich bemerkenswert: 17,63 °C liegen praktisch auf Höhe des heutigen Klimamittels 1991–2020 von 17,6 °C.
Ein Sommer, der 1976 thermisch außergewöhnlich wirkte, liegt beim saisonalen Mittel damit ungefähr dort, wo heute das neue Normal angesiedelt ist.
Noch spektakulärer war 1976 die Trockenheit. Deutschlandweit fielen während des meteorologischen Sommers nur 138,2 l/m² Niederschlag.
Regional war die Bilanz noch drastischer:
-
Brandenburg/Berlin: rund 72 l/m²
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Schleswig-Holstein: rund 77 l/m²
-
Saarland: rund 83 l/m²
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Sachsen-Anhalt: rund 83 l/m²
Der DWD führt die Hitze und Trockenheit von 1976 ausdrücklich unter den historischen Extremereignissen Deutschlands. Demnach wurden im Juni und Juli 1976 an 16 Tagen hintereinander Temperaturen über 30 Grad erreicht. Gebietsweise fiel sechs Wochen lang kein Regen.
Die Auswirkungen waren erheblich: Landwirtschaft, Böden, Gewässer und Verkehrsinfrastruktur litten unter Hitze und Niederschlagsmangel.
1976 war also tatsächlich ein außergewöhnlicher Sommer – aber gerade deshalb blieb er so stark im kollektiven Wettergedächtnis.
Wie heiß wurde es 1976 wirklich?
Hier ist eine wichtige historische Einordnung: 40 Grad wurden 1976 in Deutschland noch nicht offiziell erreicht.
Die 40-Grad-Marke fiel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes erstmals sieben Jahre später. Das zeigt ebenfalls, wie außergewöhnlich solche Temperaturen damals waren.
Die 80er waren keineswegs ein Jahrzehnt voller Bilderbuchsommer
Auch die 1980er passen nicht zu der Vorstellung, früher habe von Juni bis August ständig sonniges Freibadwetter geherrscht.
Einige Beispiele aus dem DWD-Flächenmittel:
1980: 15,47 °C
1984: 15,54 °C
1985: 15,69 °C
1987: 15,44 °C
1987 fielen gleichzeitig rund 300 l/m² Niederschlag. 1980 waren es sogar rund 317 l/m².
Das sind keine kleinen Abweichungen. Ein Sommer wie 1987 wäre nach heutigen Klimaverhältnissen ausgesprochen kühl.
Und dennoch gab es mitten in diesem Jahrzehnt einen extremen Ausreißer.
1983: Der Sommer, in dem Deutschland erstmals 40 Grad erreichte
Der Sommer 1983 war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich heiß. Die Mitteltemperatur erreichte bundesweit 18,26 °C.
Damit lag der Sommer fast zwei Grad über dem damaligen Klimamittel. Gleichzeitig war er ausgesprochen trocken: Im Deutschland-Flächenmittel fielen lediglich 145,1 l/m² Niederschlag.
Dann kam der 27. Juli 1983. In Gärmersdorf bei Amberg wurden 40,2 °C gemessen.
Deutschland hatte erstmals offiziell die 40-Grad-Marke überschritten.
Das Entscheidende dabei: 1983 war kein normaler Sommer der 80er, sondern ein extremes Ausnahmejahr.
1976 war legendär – aber 2018 war deutschlandweit sogar trockener
Besonders spannend wird der Vergleich mit jüngeren Sommern.
| Sommer | Mitteltemperatur | Niederschlag Deutschland |
|---|---|---|
| 1976 | 17,63 °C | 138,2 l/m² |
| 1983 | 18,26 °C | 145,1 l/m² |
| 2003 | 19,67 °C | 153,0 l/m² |
| 2018 | 19,31 °C | 129,4 l/m² |
| 2022 | 19,23 °C | 142,9 l/m² |
Die historischen DWD-Gebietsmittel bestätigen damit einen bemerkenswerten Befund: Der meteorologische Sommer 2018 war im Deutschland-Flächenmittel sogar trockener als 1976.
Gleichzeitig war 2018 erheblich wärmer.
1976: 17,63 °C
2018: 19,31 °C
Das sind fast 1,7 Grad Unterschied beim Mittel einer kompletten Jahreszeit.
2018 zeigt damit sehr anschaulich, was sich verändert hat: Eine extreme Trockenheit kann heute mit einem wesentlich höheren Temperaturniveau zusammentreffen.
Der historische Vergleich zeigt eine deutliche Verschiebung
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung der Sommertemperaturen.
1978: 15,13 °C
1980: 15,47 °C
1987: 15,44 °C
Solche Sommer waren vor einigen Jahrzehnten nichts völlig Außergewöhnliches.
Auf der anderen Seite stehen inzwischen Sommer wie:
2003: 19,67 °C
2018: 19,31 °C
2019: rund 19,3 °C
2022: rund 19,2 °C
Die gesamte Temperaturverteilung hat sich auf ein höheres Niveau verschoben.
Was früher extrem war, rückt zunehmend in Richtung Normalität.
Und 2026? Ein neuer deutscher Temperaturrekord
Der meteorologische Sommer 2026 ist zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht beendet und kann deshalb noch nicht seriös als komplette Jahreszeit mit früheren Sommern verglichen werden.
Ein Extremwert steht allerdings bereits fest. Am 27. Juni 2026 wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 °C gemessen.
Damit wurde der bisherige deutsche Temperaturrekord von 41,2 °C aus dem Jahr 2019 übertroffen.
Die Entwicklung der Rekordmarken ist bemerkenswert:
1983: 40,2 °C
2015: 40,3 °C
2019: 41,2 °C
2026: 41,8 °C
Ein einzelner Rekord beweist für sich genommen noch keinen Klimatrend. Zusammen mit der langfristigen Entwicklung der Mitteltemperaturen, Sommertage, Heißen Tage und Hitzewellen ergibt sich jedoch ein sehr deutliches Gesamtbild.
Gab es früher weniger Gewitter?
Gewitter waren selbstverständlich auch in den 70er- und 80er-Jahren ein fester Bestandteil des deutschen Sommers.
Die langfristigen DWD-Auswertungen zeigen eine klare Gewittersaison von Mai bis August. In diesen Monaten kann je nach Region durchschnittlich an ungefähr drei bis sieben Tagen pro Monat mit Gewittern gerechnet werden.
Die gewitterstärksten Monate sind Juni und Juli. Im Süden ist die Gewitterhäufigkeit im Allgemeinen größer als im Norden.
Interessant ist dabei die enorme natürliche Schwankung. Der DWD nennt beispielsweise Frankfurt: Im sehr gewitterreichen Jahr 1974 wurden dort 54 Gewittertage gezählt. In deutlich gewitterärmeren Jahren waren es teilweise nur etwa 15.
Schon daran erkennt man: Gewitterreiche Sommer sind keineswegs ein neues Phänomen.
Sind Unwetter heute häufiger als damals?
Bei dieser Frage muss man vorsichtig sein.
Für Temperaturen besitzen wir lange und vergleichsweise homogene Messreihen. Die Zunahme von Hitze lässt sich deshalb wesentlich eindeutiger nachweisen.
Bei Gewittern und kleinräumigem Starkregen ist das schwieriger. Ein Gewitter kann wenige Kilometer entfernt enorme Regenmengen, Hagel und Sturmböen bringen, während an einer Wetterstation fast nichts registriert wird.
Heute stehen Wetterradar, Blitzortung, automatische Messnetze, Smartphones und digitale Schadensmeldungen zur Verfügung. In den 70er- und 80er-Jahren war die Erfassung wesentlich lückenhafter.
Deshalb lässt sich aus alten Schadenschroniken nicht einfach ableiten: „Früher gab es weniger Unwetter.“
Bei extremem, sehr kurzzeitigem und kleinräumigem Starkregen ist die langfristige Beurteilung schwieriger als bei der Temperaturentwicklung.
Wärmere Luft verändert trotzdem das Potenzial für Starkregen
Physikalisch spielt die Erwärmung dennoch eine wichtige Rolle.
Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen.
Steht bei einem Gewitter ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung, kann dadurch auch mehr Wasser für intensive Niederschläge zur Verfügung stehen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass es an mehr Tagen gewittert. Es bedeutet aber, dass sehr niederschlagsreiche Gewitter in einem wärmeren Klima ein größeres Potenzial besitzen können.
Deshalb widersprechen sich zwei Entwicklungen nicht: längere trockene und heiße Phasen – und gleichzeitig lokal extreme Starkregenereignisse.
Ein heftiges Gewitter kann innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen bringen. Für tief ausgetrocknete Böden und Grundwasservorräte ersetzt ein lokaler Wolkenbruch jedoch keinen länger anhaltenden Landregen.
Was hat sich seit den 70ern und 80ern wirklich verändert?
Der vielleicht wichtigste Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Hitze hat sich von einem seltenen Ausreißer stärker in Richtung Normalität verschoben.
Das frühere Klimamittel für den deutschen Sommer 1961–1990 beträgt 16,3 °C. Für die aktuelle Referenzperiode 1991–2020 sind es bereits 17,6 °C.
Das sind etwa 1,3 Grad Unterschied.
Dazu kommen deutlich mehr Sommertage und Heiße Tage. Die historischen DWD-Reihen zeigen für die 70er und 80er im Deutschlandmittel nur etwa vier Heiße Tage pro Jahr.
In besonders warmen Jahren des 21. Jahrhunderts wurden dagegen 15, 20 oder noch mehr Heiße Tage erreicht.
Auch warme Nächte sind häufiger geworden. Tropennächte waren früher in vielen Regionen Deutschlands ausgesprochen selten.
Genau das verändert das persönliche Hitzeempfinden erheblich. 30 oder 32 Grad am Nachmittag sind etwas anderes, wenn die Temperatur nachts wieder auf 13 oder 14 Grad zurückgeht, als wenn auf einen heißen Tag eine Nacht mit 21 oder 22 Grad folgt.
Auch Trockenheit wird durch höhere Temperaturen verschärft
Bei Trockenheit ist nicht allein entscheidend, wie viel Regen fällt. Die Temperatur spielt ebenfalls eine große Rolle.
Je wärmer es ist, desto höher kann die Verdunstung aus Böden und Pflanzen ausfallen.
Das erklärt auch, warum zwei Sommer mit einer ähnlichen Niederschlagsmenge unterschiedlich starke Auswirkungen auf Böden und Vegetation haben können.
Ein Sommer mit 150 l/m² Niederschlag und 17,5 Grad Mitteltemperatur ist für den Wasserhaushalt etwas anderes als ein Sommer mit derselben Regenmenge und 19,5 Grad.
Wie werden die Sommer der Zukunft aussehen?
Natürlich wird auch künftig nicht jeder Sommer heiß und trocken. Es wird weiterhin wechselhafte, nasse und zeitweise auch kühlere Sommer geben.
Wetter bleibt variabel.
Der langfristige Temperaturtrend ist jedoch deutlich. Nach den Klimaprojektionen des Deutschen Wetterdienstes ist bei weiterhin sehr hohen Treibhausgasemissionen gegen Ende des Jahrhunderts für Deutschland eine zusätzliche Erwärmung von etwa 3,0 bis 4,7 Grad gegenüber 1971–2000 möglich.
Dieses hohe Emissionsszenario ist keine konkrete Wettervorhersage für das Jahr 2100, sondern ein Klimaszenario. Wie stark die Erwärmung tatsächlich ausfällt, hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung der weltweiten Treibhausgasemissionen ab.
Klar ist aber: Mit steigender Mitteltemperatur werden auch sehr warme und heiße Tage wahrscheinlicher.