Ende Juli taucht der Begriff jedes Jahr wieder in Wetterberichten, Kalendern und Bauernregeln auf: Die Hundstage beginnen. Viele Menschen verbinden damit große Hitze, warme Nächte und schwüles Sommerwetter.
Doch was sind die Hundstage eigentlich genau? Haben sie tatsächlich etwas mit Hunden zu tun? Und bedeuten sie automatisch, dass nun die heißesten Tage des Jahres bevorstehen?
Die Antwort führt von der Astronomie der Antike bis zur modernen Klimatologie. Denn die Hundstage sind kein festes meteorologisches Ereignis, fallen aber tatsächlich in einen Zeitraum, der in Mitteleuropa häufig besonders warm ist.
Wann beginnen und enden die Hundstage?
Als Hundstage wird traditionell der Zeitraum vom 23. Juli bis zum 23. August bezeichnet. Diese Zeitspanne ist jedes Jahr gleich und richtet sich nicht nach der tatsächlich herrschenden Wetterlage.
Auch im Jahr 2026 gelten daher folgende Termine:
Beginn der Hundstage: 23. Juli 2026
Ende der Hundstage: 23. August 2026
Die Hundstage dauern damit rund einen Monat. Sie sind allerdings keine offizielle meteorologische Jahreszeit und auch keine fest definierte Wetterperiode.
Ein kühler, regnerischer oder wechselhafter Abschnitt kann ebenso in die Hundstage fallen wie eine ausgeprägte Hitzewelle. Der Zeitraum sagt deshalb zunächst nichts darüber aus, wie das Wetter tatsächlich wird.
Im allgemeinen Sprachgebrauch steht der Begriff heute dennoch vor allem für die besonders heiße Phase des Hochsommers.
Woher kommt der Name Hundstage?
Der Name hat nichts mit erschöpften oder hechelnden Hunden zu tun. Er stammt aus der Astronomie und bezieht sich auf das Sternbild Großer Hund, lateinisch Canis Major.
In diesem Sternbild befindet sich Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel. Sirius wird deshalb auch als Hundsstern bezeichnet.
In der Antike beobachteten die Menschen den sogenannten heliakischen Aufgang des Sirius. Damit ist der Zeitpunkt gemeint, an dem ein Stern nach einer längeren Phase der Unsichtbarkeit erstmals wieder kurz vor Sonnenaufgang am östlichen Morgenhimmel erscheint.
Dieser Aufgang fiel damals ungefähr mit der heißesten Zeit des Sommers zusammen. Die Tage rund um das Erscheinen des Hundssterns wurden deshalb als die Tage des Hundes bezeichnet. Daraus entwickelte sich später der Begriff Hundstage.
Welche Bedeutung hatte Sirius in der Antike?
Sirius spielte bereits im alten Ägypten eine wichtige Rolle. Sein Erscheinen am Morgenhimmel kündigte ungefähr die jährlich wiederkehrende Nilflut an.
Diese Überschwemmung brachte fruchtbaren Schlamm auf die Felder und war für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Der Aufgang des Sirius diente deshalb als wichtiger zeitlicher Orientierungspunkt.
Bei den Griechen und später auch bei den Römern wurde Sirius dagegen stärker mit der sommerlichen Hitze verbunden. Teilweise glaubten die Menschen, dass der besonders helle Stern die Kraft der Sonne verstärke und die Erde zusätzlich erhitze.
Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht ist klar: Sirius hat keinen messbaren Einfluss auf unsere Lufttemperatur.
Die zeitliche Verbindung zwischen seinem damaligen Erscheinen und der Sommerhitze war lediglich eine astronomische und kalendarische Übereinstimmung.
Warum geht Sirius heute zu einem anderen Zeitpunkt auf?
Der Zeitpunkt des heliakischen Aufgangs ist nicht überall gleich. Er hängt unter anderem vom Beobachtungsort, der geografischen Breite und den Sichtbedingungen am Horizont ab.
Hinzu kommt die sogenannte Präzession der Erdachse. Die Rotationsachse der Erde verändert über sehr lange Zeiträume langsam ihre Ausrichtung – vergleichbar mit einem leicht taumelnden Kreisel.
Dadurch verschieben sich astronomische Erscheinungen gegenüber den überlieferten Kalenderdaten.
Der heliakische Aufgang des Sirius liegt heute in Mitteleuropa später als zu jener Zeit, in der der Begriff Hundstage entstand. Die traditionellen Hundstage vom 23. Juli bis zum 23. August stimmen deshalb nicht mehr exakt mit dem heutigen astronomischen Ereignis überein.
Der historische Name und der überlieferte Zeitraum sind dennoch erhalten geblieben.
Sind die Hundstage wirklich die heißeste Zeit des Jahres?
Aus klimatologischer Sicht ist die Verbindung zur Sommerhitze durchaus nachvollziehbar. Ende Juli und Anfang August liegen die durchschnittlichen Temperaturen in Mitteleuropa häufig nahe am jahreszeitlichen Maximum.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der heißeste Tag eines Jahres zwingend während der Hundstage auftreten muss.
Einzelne Hitzewellen können bereits im Juni oder Anfang Juli vorkommen. Ebenso sind noch Ende August oder sogar im September Temperaturen von mehr als 30 Grad möglich.
Die Hundstage beschreiben deshalb eher eine statistisch besonders warme Phase als einen exakt festgelegten Hitzezeitraum.
Ob es während der Hundstage tatsächlich heiß wird, hängt immer von der aktuellen Großwetterlage ab.
Warum ist es erst Wochen nach der Sommersonnenwende am heißesten?
Die Sommersonnenwende findet auf der Nordhalbkugel bereits um den 21. Juni statt. Dann erreicht die Sonne ihren höchsten Stand, und die Tage sind am längsten.
Trotzdem wird die durchschnittlich heißeste Phase meist erst einige Wochen später erreicht. Der Grund ist die thermische Verzögerung des Klimasystems.
Böden, Gewässer und die unteren Luftschichten erwärmen sich nicht schlagartig. Auch nach der Sommersonnenwende nehmen Erdoberfläche und Atmosphäre über eine gewisse Zeit noch mehr Energie auf, als sie wieder abgeben.
Dadurch steigen die mittleren Temperaturen häufig weiter an, obwohl die Tage bereits langsam kürzer werden.
Das lässt sich mit dem täglichen Temperaturverlauf vergleichen: Der höchste Sonnenstand wird mittags erreicht, die höchste Temperatur des Tages aber meistens erst am Nachmittag.
Ähnlich folgt auch das sommerliche Temperaturmaximum dem höchsten Sonnenstand mit einer zeitlichen Verzögerung.
Welches Wetter tritt während der Hundstage typischerweise auf?
Die Hundstage können sehr unterschiedlich verlaufen. Möglich sind sowohl trockene Hochdrucklagen als auch schwüle und gewitterreiche Wetterabschnitte.
Bei einer stabilen Hochdrucklage und dem Zustrom warmer Luftmassen können die Temperaturen über mehrere Tage deutlich über 30 Grad steigen.
Trockene Böden können die Erwärmung zusätzlich verstärken. Steht nur wenig Wasser für die Verdunstung zur Verfügung, wird ein größerer Teil der Sonnenenergie direkt zur Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luft verwendet.
Gelangt dagegen feuchte Luft aus südlichen oder südwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa, kann es drückend schwül werden. Dann steigt häufig auch die Gefahr kräftiger Schauer und Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen.
Die Hundstage müssen daher keineswegs ausschließlich sonnig und trocken verlaufen. Auch wechselhafte, gewitterreiche oder zeitweise kühlere Wetterphasen sind möglich.
Sind die Hundstage eine meteorologische Singularität?
Als meteorologische Singularitäten werden Witterungsabschnitte bezeichnet, die in langjährigen Statistiken zu bestimmten Kalenderzeiten gehäuft auftreten.
Bekannte Beispiele sind die Schafskälte, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter.
Bei den Hundstagen ist diese Einordnung jedoch nur eingeschränkt sinnvoll. Der Zeitraum fällt zwar in eine klimatologisch warme Phase, es gibt aber keine bestimmte Wetterlage, die jedes Jahr zuverlässig zwischen dem 23. Juli und dem 23. August eintritt.
Meteorologisch betrachtet handelt es sich daher weniger um ein klar abgrenzbares Wetterphänomen als um einen historischen Begriff für einen Teil des Hochsommers.
Ob tatsächlich eine Hitzewelle entsteht, hängt von der aktuellen atmosphärischen Zirkulation ab. Entscheidend sind unter anderem:
- die Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete,
- die Herkunft der Luftmassen,
- die Bodenfeuchtigkeit,
- die Bewölkung,
- die Sonnenscheindauer,
- die Windrichtung.
Die Hundstage selbst verursachen also kein bestimmtes Wetter.
Was bedeuten Bauernregeln zu den Hundstagen?
Rund um die Hundstage existieren zahlreiche Bauernregeln. Besonders bekannt ist der Spruch:
„Hundstage heiß, Winter lange weiß.“
Eine belastbare Vorhersage für den kommenden Winter lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Das Wetter Ende Juli und im August besitzt keinen einfachen direkten Zusammenhang mit der Witterung mehrere Monate später. Ein heißer Sommerabschnitt erlaubt deshalb keine zuverlässige Aussage darüber, ob der folgende Winter kalt, mild, schneereich oder trocken wird.
Bauernregeln entstanden aus langjährigen Naturbeobachtungen und konnten früher eine wichtige Orientierung bieten. Sie ersetzen aber weder eine meteorologische Analyse noch moderne Wetter- und Klimamodelle.
Auch ein heißer Beginn der Hundstage sagt deshalb nicht zuverlässig voraus, wie der gesamte August oder der folgende Winter verlaufen wird.
Werden die Hundstage durch den Klimawandel heißer?
Die kalendarischen Hundstage bleiben unverändert: Sie beginnen weiterhin am 23. Juli und enden am 23. August. Die klimatischen Rahmenbedingungen verändern sich jedoch.
Mit steigenden Durchschnittstemperaturen treten heiße Tage und Hitzewellen in Deutschland häufiger auf. Als Heißer Tag gilt in der Meteorologie ein Tag, an dem die Höchsttemperatur mindestens 30 Grad erreicht.
Der Klimawandel führt nicht automatisch in jedem Jahr zu einer Hitzewelle während der Hundstage. Er erhöht jedoch das allgemeine Temperaturniveau, auf dem sich die jeweiligen Wetterlagen abspielen.
Eine stabile sommerliche Hochdrucklage kann dadurch heute höhere Temperaturen hervorbringen als unter früheren klimatischen Bedingungen.
Auch warme Nächte werden wahrscheinlicher. Bleibt die Temperatur während der gesamten Nacht über 20 Grad, spricht man von einer Tropennacht. Solche Nächte sind besonders in Städten und dicht bebauten Gebieten belastend, weil Gebäude und versiegelte Flächen die am Tag gespeicherte Wärme nur langsam wieder abgeben.
Wie sich Temperaturen, Hitzetage, Frosttage und weitere Klimawerte in Deutschland langfristig entwickelt haben, zeigt unsere ausführliche Klimabilanz für Deutschland.
Die Hundstage können durch den Klimawandel also heißer ausfallen, bleiben aber weiterhin von der konkreten Großwetterlage abhängig.