Was ist der Polarwirbel?
Hoch oben in der Stratosphäre, rund 15 bis 50 Kilometer über unseren Köpfen, kreist in den Wintermonaten ein gewaltiges, kaltes Luftsystem um den Nordpol: der Polarwirbel. Er ist ein gigantischer Strömungsring aus eisiger Luft, der sich aufgrund der großen Temperaturunterschiede zwischen der arktischen Kälte und den gemäßigten Breiten bildet. Dieser Strömungsring sorgt dafür, dass die kalte Luft im hohen Norden bleibt und nicht unkontrolliert in Richtung Süden strömt. Wie ein Schutzwall hält er die Kälte zurück – solange er stabil bleibt. Doch der Polarwirbel ist ein sensibles System. Er kann schwächeln, kippen oder gar kollabieren. Seine Stärke und Stabilität sind eng mit dem Wettergeschehen verbunden, das wir in Europa erleben.
Wie beeinflusst der Polarwirbel das Wetter in Deutschland und Europa?
Der Einfluss des Polarwirbels auf unser Wetter könnte kaum größer sein. Wenn er stark und kompakt ist, bleibt die kalte Polarluft über dem hohen Norden eingeschlossen, und in Mitteleuropa dominieren milde Westwinde und wechselhaftes Atlantikwetter. Doch wird der Polarwirbel gestört, beginnt das Spiel der Extreme. Plötzlich kann eisige Luft, die sonst am Nordpol gefangen ist, südwärts ausbrechen. Europa und insbesondere Deutschland bekommen dann Winterwetter in seiner vollen Härte zu spüren – teils mit Schneestürmen, Kältewellen und langanhaltenden Frostperioden. Auf der anderen Seite kann ein gestörter Polarwirbel auch dafür sorgen, dass warme Luftmassen ungewöhnlich weit nach Norden strömen, was beispielsweise milde, fast frühlingshafte Temperaturen mitten im Winter zur Folge hat. Die Auswirkungen sind also vielseitig und machen den Polarwirbel zu einem der spannendsten Wetterschauspieler unserer Breiten.
Wann bricht er zusammen? Ist das normal?
Der sogenannte Zusammenbruch des Polarwirbels – das berühmte „Sudden Stratospheric Warming“ (SSW) – ist kein seltenes Phänomen, sondern ein natürliches Ereignis, das in rund zwei von drei Wintern vorkommt. Dabei erwärmt sich die Stratosphäre über der Arktis innerhalb weniger Tage um bis zu 50 Grad. Das klingt dramatisch – und ist es auch. Der Polarwirbel wird durch diese Erwärmung massiv gestört oder sogar komplett auseinandergerissen. Dann dauert es meist ein bis zwei Wochen, bis die Folgen in der Troposphäre, also in unserer Wetterwelt, ankommen. Plötzliche Kälteeinbrüche oder langanhaltende Blockadelagen sind oft die Folge. Aber auch extreme Wetterlagen wie starke Sturmtiefs oder außergewöhnliche Schneeereignisse lassen sich dann häufiger beobachten. Ein vollständiger Zusammenbruch ist also zwar spektakulär, aber keineswegs unnatürlich. Er gehört zum dynamischen Klimageschehen rund um den Pol.